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Einbürgerung:Inzwischen diskutiert das ganze Land die Entscheidung

Der Fall Funda Yilmaz aber beschäftigt die Schweizer nachhaltig - spätestens seit der vergangenen Woche, als die Schweizer Illustrierte das Protokoll ihres Interviews im Gemeindehaus öffentlich machte. Über elf endlose Seiten wird darin dokumentiert, wie eine schüchterne junge Frau auf Schweizer trifft, deren Vorstellungswelt an der Gemeindegrenze aufhört und seit einigen Jahrzehnten nicht mehr aktualisiert wurde.

Yilmaz wird nicht nur nach der ordnungsgemäßen Entsorgung von Frittierfett gefragt, sondern auch, ob ihre Eltern akzeptieren könnten, dass ihr Freund kein Türke ist. In einem verzweifelten Brief an die Kommission hält Yilmaz später fest, wie unsinnig das dahinter steckende Vorurteil ist: "Ich war noch nie in einer Moschee, aber mehrmals in einer Kirche." Vergeblich. Ihr Gesuch wurde abgelehnt, die 1500 Franken Bearbeitungsgebühr sind weg.

Viele wollen mitentscheiden, wer in ihrer Gemeinde dazugehört

Dafür diskutiert inzwischen das ganze Land über die Entscheidung von Buchs. Der Zürcher Tagesanzeiger nannte sie "unschweizerisch" - eine der krassesten Wertungen, die das Land zu bieten hat. Was aber tun?

Immer wieder gab es Bestrebungen, die Einbürgerungsverfahren zu vereinfachen und zu objektivieren: Durch eine zentrale Behörde in Bern, in der Sachbearbeiter rational prüfen, ob die vorgelegten Dokumente die Anforderungen erfüllen. Doch diese Vorstöße konnten sich an der Urne nie durchsetzen - viele Schweizer schätzen die Möglichkeit, mitentscheiden zu dürfen, wer in ihrer Gemeinde dazugehört.

Der Fall Yilmaz aber zeigt auch auf, wie viel Willkür diese Vor-Ort-Entscheidung bedeuten kann. Die Bauzeichnerin will sich jedenfalls nicht entmutigen lassen. Sie hat Beschwerde eingelegt und begonnen, Unterschriften zu sammeln. Gut möglich, dass die Gemeinde Buchs ihrer Sache am Schluss sogar einen Gefallen getan hat.

© SZ vom 18.07.2017/jsa
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