"Gefährdung der öffentlichen Sicherheit" Schweiz lehnte Zuzug von Roman Abramowitsch ab

Trotz seines vielen Geldes wurde der Zuzug von Roman Abramowitsch in die Schweiz abgelehnt.

(Foto: Anthony Anex/dpa)
  • 2016 wollte Roman Abramowitsch seinen Lebensmittelpunkt in die Schweiz verlegen.
  • "Interessanter Steuerzahler", befand man dort zuerst - und lehnte das Gesuch des russisch-israelischen Multimilliardärs dann doch ab.
Von Charlotte Theile, Zürich

Eigentlich gibt es für eine ländliche Schweizer Gemeinde kaum etwas Besseres als einen solchen Antrag: Roman Abramowitsch, russischer Multimilliardär und Besitzer der zweitgrößten Yacht der Welt, möchte seinen Lebensmittelpunkt in die Walliser Berge verlegen. Wie der in Zürich erscheinende Tages-Anzeiger an diesem Dienstag berichtete, war die Freude im Juli 2016 in Sitten (Sion), dem Hauptort des Kanton Wallis, entsprechend groß.

"Angesichts seines finanziellen Hintergrunds wäre er ein sehr interessanter Steuerzahler für die Gemeinde und den Kanton, und wir haben eine positive Ersteinschätzung gegeben", schrieb der Leiter des kantonalen Migrationsamtes. Die Bewilligung des Bundesamtes für Polizei (Fedpol) schien eine Formsache, die erste Steuererklärung des zahlungskräftigen Russen wurde aufgeregt erwartet.

Doch dann kam alles anders. Das Fedpol entschied gegen Abramowitsch. Die längerfristige Anwesenheit des 51-jährigen Russen stelle eine "Gefährdung der öffentlichen Sicherheit" dar und sei mit einem erheblichen Reputationsrisiko für die Schweiz verbunden, hieß es von den Behörden.

Abramowitsch wollte diese Entscheidung nicht auf sich sitzen lassen. Er kam persönlich bei der schweizerischen Polizeichefin vorbei - und versuchte, die Berichterstattung über sein abgelehntes Gesuch zu verhindern. Abramowitsch, der sein Vermögen mit Rohstoffen wie Öl und Gold machte und 2003 den Fußballclub FC Chelsea kaufte, verwehrt sich auch gegen die Vorwürfe, die hinter der schweizerischen Entscheidung stehen. Wie sein Anwalt gegenüber dem Tages-Anzeiger erklärte, sei sein Mandant nie in Geldwäsche-Geschäfte verwickelt gewesen und habe auch keinerlei Kontakte zu kriminellen Organisationen.

Schwerreiche russische Community in der Schweiz

Tatsächlich dürfte der Russe von der unfreundlichen Reaktion der Schweizer überrascht worden sein. In den vergangenen zehn Jahren hat sich in der Schweiz eine schwerreiche russische Community niedergelassen, angelockt von ausnehmend günstigen Steuersätzen, Pauschalbesteuerung genannt, luxuriösen Shoppingmöglichkeiten und der sprichwörtlichen schweizerischen Diskretion.

Bekanntes Beispiel ist der russische Rohstoffhändler Viktor Vekselberg, der im Kanton Zug lebt, in schweizerische Mittelständler investiert und Kulturfestivals wie das "Zaubersee" am Vierwaldstättersee sponsert. Doch auch Vekselberg hat in den vergangenen Monaten für negative Schlagezeilen gesorgt: Im April landete der Milliardär auf einer Sanktionsliste der USA, seine Vermögenswerte wurden eingefroren, Schweizer Unternehmen und Banken, die mit dem vermögenden Russen Geschäfte gemacht hatten, gerieten in die Bredouille.

Roman Abramowitsch hingegen hat inzwischen ein anderes Land gefunden. Ende Mai 2018 erhielt Abramowitsch, dessen jüdische Eltern starben, als er noch ein Kind war, die israelische Staatsbürgerschaft. Der Oligarch gilt seither als reichster Bürger Israels.

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