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Schweinegrippe:Aufregung um "Zwei-Klassen-Impfung"

Eine Woche vor dem Start der Massenimpfungen gegen die Schweinegrippe ist ein Streit um verschiedene Impfstoffe entbrannt. Bekommen Politiker den besseren?

Große Aufregung um unterschiedliche Schweinegrippe-Impfstoffe: Während die Bundesländer am Montag auf die ersten Lieferungen des Massen-Impfstoffes Pandemrix warteten, wehrt Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sich gegen den Vorwurf einer "Zwei-Klassen-Impfung".

Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Bundesregierung, Bundesbeamte und Soldaten der Bundeswehr einen anderen Impfstoff bekommen als Otto Normalverbraucher. Sie erhalten einen Schweinegrippeimpfstoff vom US-Pharmakonzern Baxter, der keinen umstrittenen Wirkstoffverstärker enthält.

Die scharfe Kritik daran, die unter anderem auch Gesundheitsexperten und Politiker von Grünen und SPD am Wochenende geäußert hatten, wies Schäuble zurück. Aus welchen Gründen der eine Impfstoff so und der andere so bestellt worden sei, entziehe sich seiner Kenntnis, sagte er im Bayerischen Rundfunk(BR). "Aber die Darstellung, dass hier eine Privilegierung von politischen Verantwortungsträgern vorgesehen sei, das ist nun wirklich jenseits jeder Realität."

Das Innenministerium hat 200.000 Dosen von Baxter bestellt. Der Rest der Bevölkerung bekommt dagegen einen Impfstoff von der britischen Firma GlaxoSmithKline, dessen Wirkstoffverstärker (Adjuvans) von einigen Ärzten kritisch gesehen werden. Mögliche Nebenwirkungen einer Grippeimpfung sind Hautrötungen oder Gliederschmerzen. Die verstärkenden Wirkstoffe könnten auch die Nebenwirkungen verstärken und zu Kopfschmerzen oder Fieber führen, befürchten Mediziner. Für Schwangere und Kinder könnte Pandemrix darum wenig geeignet sein.

Die Bundesregierung hatte 50 Millionen Pandemrix-Impfdosen bestellt, die für mehr als ein Drittel der Bevölkerung reichen sollen. Bis zum Mittwoch sollen alle Bundesländer eine erste Lieferung erhalten haben. Trotzdem soll weiterer Impfstoff bestellt werden - diesmal ohne Wirkstoffverstärker.

Virotole Alexander Kekulé rät gesunden Erwachsenen zur Impfung - trotz auch von ihm geäußerter Kritik an dem von den Bundesländern bestellten Impfstoff. Die Nebenwirkungen seien nicht viel anders als zum Beispiel bei einer Tetanus-Impfung, sagte der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle im Deutschlandradio.

Erstmals gebe es die Chance, "so eine Influenza-Welle wirklich durch eine Impfung zu begrenzen", meinte er. Auch er selbst werde sich impfen lassen, mit Pandemrix. Bevor er allerdings seine drei kleinen Kinder impfen lasse, werde er "warten was sich noch tut in den nächsten Wochen".

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte die unterschiedlichen Bestellungen am Wochenende als "äußerst unglücklich" bezeichnet und Schäuble direkt angegriffen. "So entsteht der Eindruck einer Zwei-Klassen-Medizin bei der Impfung. Innenminister Wolfgang Schäuble hatte hier nicht das notwendige Gespür."

"Es gibt keinen besseren oder schlechteren Impfstoff."

Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, kritisierte in der Bild-Zeitung, zweierlei Impfstoffe für Regierung und Bevölkerung seien das falsche Signal. "Da verstärkt sich bei vielen Menschen der Eindruck, sie seien Patienten zweiter Klasse. Das zeugt von wenig Fingerspitzengefühl." Ähnlich äußerte sich die Grünen-Gesundheitsexpertin Biggi Bender: "Großes Risiko fürs Volk, kleines Risiko für die Regierung. Diese Art von Zweiklassenmedizin darf es in einer Demokratie nicht geben."

Die Regierung und das für die Zulassung von Impfstoffen zuständige Paul-Ehrlich-Institut versicherten dagegen, es gebe kein größeres Risiko für die Bevölkerung. Das Institut erklärte: "Es gibt keinen besseren oder schlechteren Impfstoff."

Eine Sprecherin des Innenministeriums erläuterte der Berliner Zeitung, das zuständige Beschaffungsamt habe mit dem Hersteller Baxter schon vor vielen Monaten einen Vertrag abgeschlossen. Der müsse nun eingehalten werden. Zum damaligen Zeitpunkt sei von möglichen Unterschieden der beiden Stoffe keine Rede gewesen. Nach Angaben der Zeitung spricht Vieles dafür, dass der Impfstoff von Baxter einfach billiger war.

Laut einem Bericht der Bild setzt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trotz des für die Bundesregierung bestellten Impfstoffes auf ihren Hausarzt, von dem sie - wie jeder Bürger - den Massen-Impfstoff Pandemrix bekommen soll. Genauso hält es Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD): "Ich lasse mich mit dem Impfstoff impfen, mit dem auch die Bevölkerung geimpft wird. Der ist genauso wie die anderen zugelassen, sicher und wirksam."

Innenminister Schäuble sagte im BR, er wisse noch nicht, ob er sich überhaupt impfen lassen möchte. "Ich weiß gar nicht, ob ich mich jemals impfen lassen werde". Und so geht es auch einem Großteil der Bevölkerung. Nach der anfänglichen großen Panik will sich laut Umfragen nur noch jeder fünfte Deutsche gegen das H1N1-Virus impfen lassen.

Schäubles Parteifreund Wolfgang Bosbach sagte dem Fernsehsender n-tv, er habe überhaupt kein Verständnis für die Diskussionen über bessere oder schlechtere Impfstoffe. "Ich lasse mich nicht impfen, dann muss ich auch nicht die Frage beantworten, ob ich als Bundestagsabgeordneter einen Luxus-Impfstoff bekommen habe", sagte er.