Schweden:Angst vor Russland

Die Wehrpflicht zeigt: Schweden will sich selber verteidigen können.

Von Silke Bigalke

Schon lange wissen die Schweden, dass sie ihr Land kaum selber verteidigen können. Neu ist, dass sie sich deshalb unsicher fühlen. Es ist schließlich erst sieben Jahre her, dass das Land die Wehrpflicht ausgesetzt hat. Sie galt damals als teuer und überholt, denn in Schweden herrscht seit mehr als 200 Jahren Frieden. Dem aber trauen die Menschen offenbar nicht mehr.

Von diesem Sommer an sollen daher junge Frauen und Männer wieder zum Wehrdienst antreten. Für eine Armee aus Berufssoldaten finden sich einfach nicht genug freiwillige Rekruten. Aber es gibt noch weitere Lücken. Lange hatte das Land an seiner Verteidigung gespart, dabei ist Schweden kein Mitglied der Nato, kann sich also nicht auf Schutz verlassen. Darin lag für viele Schweden eine Friedensgarantie: Weil sie keinem Bündnis angehören, kann niemand schwedische Soldaten in ferne Konflikte hineinziehen. Doch seit der Krimkrise wächst die Sorge, dass es einen Konflikt direkt vor der Tür geben könnte. Grund ist Russland, das mit Flugzeugen, Schiffen und U-Booten die Grenzen der Nachbarn testet.

Die Wehrpflicht ist einer von vielen Schritten: Schweden hat sein Budget für das Militär erhöht, seine Partnerschaft mit der Nato vertieft, will stärker mit den nordischen Nachbarn und den USA kooperieren. Ein Bündnis ersetzt das nicht. Aber Schweden erkennt: Notfalls muss es sich selber verteidigen können.

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