bedeckt München 31°

Debatte um Zuwanderung:Merkels bunte Truppe - ganz schön viel Multi-Kulti

Merkel und Seehofer haben Multi-Kulti für tot erklärt - dabei gedeihen gerade in den Regierungsreihen viele Kulturen prächtig nebeneinander.

M. König

Es war verdächtig ruhig geworden rund um "Gurkentruppe" und "Wildsau". Egal, ob Gesundheitsreform, Energiekonzept oder Abschaffung der Wehrpflicht - die schwarz-gelbe Koalition spult ohne große Missklänge ihr Programm herunter. Sie hatte sich ja reichlich Zeit gelassen mit dem Regieren, doch der von Kanzlerin Angela Merkel ausgerufene "Herbst voller Entscheidungen" ließ sich relativ gut an.

Integrationsdebatte Teaserbild

Populistisch, pragmatisch und progressiv: Die Union lebt Multi-Kulti vor.

(Foto: Foto:dpa,dapd,ddp / Grafik: sueddeutsche.de, Helldobler)

Bis Thilo Sarrazin kam und Horst Seehofer inspirierte.

In der Debatte um die Zuwanderung wird deutlich, dass sich Schwarz und Gelb längst nicht so einig sind wie zuletzt gerne behauptet wurde. Innerhalb der Union schwelt der Streit um die Frage, wie konservativ die Konservativen noch sind - und die FDP schießt aus Wirtschaftsinteresse quer. Es handelt sich um eine bunte Multi-Kulti-Gruppe mit einem großen Spektrum an Ansichten. Die Union und die FDP, auf der Suche nach ihrer Leitkultur.

Zwar ist die Lautstärke im Vergleich zu den ersten Regierungstagen, in denen ein "Neustart" den anderen ablöste, noch gemäßigt. Doch schon wirft FDP-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle dem bayerischen CSU-Ministerpräsidenten Seehofer "Stimmungsmache" vor, und FDP-Generalsekretär Christian Lindner wiederum stellt Seehofers Äußerungen als Stammtischparolen dar. Auch in der Union selbst sind die Ansichten des Bayern heftig umstritten.

Ist Multi-Kulti wirklich tot, wie Merkel und Seehofer sagen? Oder ist das ein bisschen viel Mutti-Kulti? Die Regierung macht eher den Eindruck, als wolle sie selbst das Gegenteil beweisen. In der Zuwanderungsfrage leben Populisten, Pragmatiker und Progressive gemeinsam unter dem schwarz-gelben Dach - wenn auch nicht immer friedlich.

Eine Typologie der schwarz-gelben Multikulti-Mannschaft.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite