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Schutzausrüstung:Merkels direkter Draht nach China

Ein Telefonat der Kanzlerin mit Chinas Staatschef Xi Jinping ermöglicht Deutschland Zugang zu einer Schutzmasken-Firma. Diese verspricht ein höheres Maß an Qualität und Liefersicherheit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in der Corona-Krise im Gespräch mit Chinas Staatspräsident Xi die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Deutschland einen direkten Zugang zu einem staatlichen chinesischen Produzenten von Schutzkleidung bekommt. Das geht aus einem Papier hervor, mit dem das Bundesgesundheitsministerium den Bundestag über die Beschaffung von Schutzkleidung informiert hat. In Deutschland herrscht eklatanter Mangel vor allem an Masken, die Ärzte und Pfleger davor bewahren sollen, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren. Pflegedienste haben deshalb sogar schon Handwerker gebeten, Staubmasken zu spenden.

In dem Papier für den Bundestag heißt es, nach einem Gespräch Merkels mit Xi und darauf aufbauenden Gesprächen zwischen dem chinesischen Handelsministerium und dem Bundesgesundheitsministerium habe Anfang April ein "direkter Zugang zu einem staatlichen Produzenten (Moheco) hergestellt" werden können. Moheco verspreche ein "höheres Maß an Qualität und Liefersicherheit". Mit nicht genutzten Passagierflugzeugen der Lufthansa werde zudem eine "Luftbrücke" zwischen China und Deutschland eingerichtet, um die Masken zu transportieren.

Nach Informationen aus Peking hat die chinesische Regierung eine Liste von staatlichen Herstellern erstellt, die erstens hohe Produktions-Kapazitäten haben, zweitens gute Qualität abliefern und ihre Ware drittens zu bezahlbaren Preisen anbieten. Wer bei diesen Firmen einkaufen darf, darüber entscheidet der chinesische Staat. Koordiniert wird das von den zuständigen Behörden in Peking. Es existiert in China inzwischen eine Art Hotline für Botschafter und Regierungen, die weltweit genutzt wird.

Was die Bundesregierung alles unternimmt, wird in dem Papier des Gesundheitsministeriums für den Bundestag im Detail beschrieben. Darin heißt es, vor allem die Beschaffung "vor Ort" in China zeige kurzfristig Wirkung. Dies erlaube den Zugriff auf sehr große Kapazitäten der etwa 1000 Hersteller, die in der Lage seien, normgerechte Ware herzustellen. Es herrsche eine starke Konkurrenz durch andere Staaten und große internationale Käufer aus Wirtschaft und Handel. Die Hersteller von Schutzkleidung verlangten sehr schnelle Kaufentscheidungen und Vorauszahlungen; mit einem entsprechenden Ausfallrisiko. Die Qualitätsprüfungen seien eingeschränkt, die Preisspanne hoch.

Am Dienstag brachte ein großes Frachtflugzeug acht Millionen Schutzmasken für die Bundesregierung nach Bayern. Der Jet war am Dienstagmorgen im chinesischen Shanghai gestartet und landete nach einem Zwischenstopp in Südkoreas Hauptstadt Seoul in München. Ob die Fracht auf das Telefonat zwischen Merkel und Xi zurückgeht, war zunächst unklar.

© SZ vom 08.04.2020
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