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Schulen:Die Zeche der Krise

Die schwächsten Schüler dürfen nicht alleingelassen werden.

Verrückte Ideen reifen in verrückten Zeiten. Eine hat Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, soeben lanciert. Schlechte Schüler, so lautet sein Vorschlag, sollten "ernsthaft" prüfen, ob sie das aktuelle, von der Corona-Krise massiv beeinträchtigte Schuljahr nicht lieber freiwillig wiederholen. Das sei womöglich besser, "als mit massiven Wissenslücken aufzurücken".

Klingt erst einmal logisch: Viele Lehrer und Schüler mühen sich derzeit redlich, um beim Homeschooling auch das "Schooling" großzuschreiben. Aber echten Unterricht kann es nicht ersetzen. Schüler, die auf der Kippe stehen, dürfen deshalb im Zeugnis mit viel Nachsicht rechnen, der Aufschrei wäre ansonsten gewiss. So mancher Schüler, hier hat Meidinger recht, wird also erhebliche Corona-Lücken mit ins nächste Schuljahr nehmen.

Was spricht da gegen eine freiwillige Ehrenrunde? Nichts, wenn ein Schüler das für die beste Idee hält. Alles, wenn der Chef des Deutschen Lehrerverbandes sie ihm aufdrängt. Aufgabe der Schulen ist es, Lösungen zu finden, um die entstehenden Wissenslücken klein zu halten und irgendwann wieder zu schließen - so schwierig das aktuell ist. Die schwächsten Schüler aber allein die Zeche der Krise zahlen zu lassen, ist ein Vorschlag, den Meidinger noch einmal ernsthaft überprüfen sollte.

© SZ vom 07.04.2020

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