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Schulen:Aufruf zur Ehrenrunde

Der Präsident des Lehrerverbands rät schlechten Schülern, die Klasse freiwillig zu wiederholen - das sei womöglich besser, als "mit massiven Wissenslücken aufzurücken".

Schüler mit schlechten Leistungen sollten wegen der Corona-Krise nach Ansicht des Deutschen Lehrerverbands freiwillig die Klasse wiederholen, statt mit großem Rückstand die nächste Klassenstufe zu beginnen. Wenn die bisherigen Leistungen sehr schlecht waren, sollte ernsthaft geprüft werden, "ob nicht ein freiwilliges Wiederholen sinnvoller ist, als mit massiven Wissenslücken aufzurücken", sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger - zugleich Schulleiter des Comenius-Gymnasiums in Deggendorf - der Tageszeitung Bild vom Montag.

Seine Empfehlung gelte aber nur für Schüler, bei denen es bereits vor der Corona-Epidemie Leistungsdefizite gegeben habe, die ein Erreichen des Klassenziels "unwahrscheinlich" erscheinen ließen. "Das freiwillige Wiederholen hat in vielen Bundesländern auch den Vorteil, dass es nicht als Pflichtwiederholung gewertet wird, was ein nochmaliges Wiederholen einer Jahrgangsstufe ausschließen kann", sagte Meidinger.

Er forderte zugleich entgegenkommende Versetzungsregelungen. Als Möglichkeiten nannte Meidinger ein "großzügiges Vorrücken auf Probe, gegebenenfalls sogar für alle, die nach bisherigem Stand sitzengeblieben wären".

Das Ziel fürs nächste Schuljahr: die "Normalspur der Lehrplanerfüllung"

Obwohl die Schulen in Deutschland seit dem 16. März geschlossen sind, sollen alle Schüler am Ende des Jahres ein Zeugnis erhalten; auch Sitzenbleiben ist möglich. Aus den Bundesländern ist aber zu hören, dass die außergewöhnlichen Umstände bei versetzungsgefährdeten Schülern selbstverständlich in die Entscheidung einfließen würden - insbesondere, wenn die Schulschließungen über den 19. April hinaus andauern. Das Bildungsministerium in Rheinland-Pfalz hat einem Bericht der Rheinpfalz zufolge festgelegt, dass kein Schüler sitzenbleibt, sollten die Schulen über den 4. Mai hinaus geschlossen bleiben. Das habe Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), die derzeit auch Präsidentin der Kultusministerkonferenz ist, den Schulleitungen in einem Brief mitgeteilt.

Meidinger forderte, in allen Bundesländern müssten die Schulen nun überlegen, "wie wir im nächsten Schuljahr durch zusätzliche Förderkurse, eigene Wiederholungsphasen und vielleicht auch vorübergehende Kürzung eventuell verzichtbarer Lehrplaninhalte und Konzentration auf das Grundwissen wieder in die Normalspur der Lehrplanerfüllung einschwenken können".

© SZ vom 07.04.2020 / dpa, pamu

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