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Schüsse auf dem Golan:Hilflos gegenüber der Gewaltlosigkeit

Der blutige Vorfall auf dem Golan zeigt: Die Palästinenser inszenieren geschickt den alten Kampf des David gegen Goliath neu - und die Israelis drohen dabei in der Rolle des kraftstrotzenden Riesen zu verharren. Auf Davids Steinschleuder reagieren sie mit scharfer Munition. Verheerend wirkt das vor den Augen der ganzen Welt.

Eine große Gefahr braut sich zusammen über Israel. Nicht die Bombenbauer in Iran, nicht die Raketenbastler der Hamas oder der Hisbollah sind es, die den jüdischen Staat in diesem Sommer bedrängen. Es sind Massen palästinensischer Demonstranten, die unbewaffnet auf die Grenzen zumarschieren und die Konfrontation nicht scheuen.

Eskalation auf dem Golan: Israelische Soldaten zielen auf propalästinensische Demonstranten, die von der syrischen Seite die Grenze stürmen wollen.

Eskalation auf dem Golan: Israelische Soldaten zielen auf propalästinensische Demonstranten, die von der syrischen Seite die Grenze stürmen wollen.

(Foto: Getty Images)

Eine blutige Spur zieht sich schon von Gedenktag zu Gedenktag, vom Nakba- zum Naksa-Tag, und die nächsten Anlässe zeichnen sich ab.

Eine Flottille auf hohe See, ein Sit-in vor der Siedlung: Es gibt Anlässe genug zum Protest in einem besetzten Land - und es gibt keine Möglichkeit für Israel, als Sieger aus einer solchen Konfrontation hervorzugehen.

Denn die Palästinenser inszenieren geschickt den alten Kampf des David gegen Goliath neu, und die Israelis drohen dabei in der Rolle des kraftstrotzenden Riesen zu verharren. Auf Davids Steinschleuder reagieren sie mit scharfer Munition. Verheerend wirkt das vor den Augen der ganzen Welt.

Fehlende Strategie

Doch es geht nicht nur um weiteren Imageschaden. Es geht um das Fehlen einer Strategie. Mit feindlicher Gewalt hat Israel in den mehr als sechs Jahrzehnten seit seiner Gründung umzugehen gelernt, mit feindlicher Gewaltlosigkeit nicht.

Es müsste nun aber den israelischen Strategen schnellstens klar werden, dass ein Kampf unter solchen Voraussetzungen nicht zu gewinnen ist - außer man möchte sich mit äußerster Brutalität auf eine Stufe stellen mit den Machthabern in Syrien und Libyen, was undenkbar ist für Israels Demokratie.

Eine verantwortungsvolle Regierung in Jerusalem hat also nur eine Wahl: Sie muss sofort und ohne Vorbedingungen neue Verhandlungen suchen.

© SZ vom 06.06.2011/odg

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