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Landtagswahl im Saarland:Rübergucken ist erlaubt

Der SPD-Linke Ottmar Schreiner über Jamaika, Lafontaines Erfolgskurs - und den Wunsch nach einem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten im Saarland.

Der saarländische SPD-Bundestagsabgeordnete Ottmar Schreiner, 63, pocht auf eine Regierungsbeteiligung der Sozialdemokraten. Ein politischer Wechsel sei möglich und nötig, sagt er.

Ottmar Schreiner, Bundestagsmitglied der SPD aus dem Saarland.

(Foto: Foto: dpa)

sueddeutsche.de: Herr Schreiner, Hand aufs Herz: Tut es Ihnen heute nicht besonders weh, dass Oskar Lafontaine nicht mehr in der SPD ist?

Ottmar Schreiner: Von meinem Großvater habe ich den Satz gelernt: Man muss mit den Mädchen tanzen, die auf der Hochzeit sind.

sueddeutsche.de: Und zu den anderen rübergucken?

Schreiner: Das darf man, gucken war immer erlaubt. (lacht)

sueddeutsche.de: Lafontaine hat die Linke an der Saar auf mehr als 20 Prozent gebracht. Sie müssten ihm gratulieren.

Schreiner: Nun, die Linkspartei hat gut abgeschnitten. Das sind schon überraschende Werte.

sueddeutsche.de: Auch auf Kosten der SPD, die wieder einige Prozentpunkte verloren hat. Für die Sozialdemokraten ist es ein mieses Ergebnis.

Schreiner: Wir hatten auch schon mal Umfragewerte, die die Linke vor der SPD sahen - und jetzt sind wir deutlich vor ihr. Bei den Verlusten muss man erwähnen, dass wir diesmal eine erheblich höhere Wahlbeteiligung als 2004 haben.

sueddeutsche.de: Liegt das am "Oskar-Faktor"?

Schreiner: Das kann so sein. Viele Menschen werden aber auch gespürt haben: Wir brauchen einen Wechsel im Saarland. Die Einbrüche der CDU sind ja fast von einer historischen Größenordnung - minus 13 Prozentpunkte! Die Saarländer wollen eine andere Formation. Und sie wollen nicht mehr Peter Müller als Ministerpräsidenten.

sueddeutsche.de: Sie hoffen auf Rot-Rot-Grün. Aber was ist, wenn die Grünen "Jamaika" mit Müller wagen?

Schreiner:Das halte ich für abwegig. Wenn man die Inhalte von CDU und Grünen vergleicht, sieht man sofort, dass sie in den zentralen Feldern nicht zusammenkommen: Bildungspolitik, Arbeitsmarkt, Energiepolitik. Und gerade bei diesen Themen sind die Gemeinsamkeiten von SPD und Grünen bis in die Nebensätze vorhanden.

sueddeutsche.de: Und was halten Sie von einer großen Koalition?

Schreiner: Die ist äußerst unwahrscheinlich. Und auch äußerst schwierig in die SPD hineinzuvermitteln.

sueddeutsche.de: Die Bundes-SPD hoffte vor diesem Wahlsonntag auf linke Mehrheiten im Saarland und Thüringen. Ist das die Trendwende für Ihre Partei im Bundestagswahlkampf?

Schreiner: Es zeigt, dass die SPD unter sehr schweren Bedingungen gleichwohl Wahlen gewinnen kann. Wenn wir in Saarbrücken einen sozialdemokratischen Ministerpräsidenten bekommen, dann wäre dies der erste in Westdeutschland seit 1991. Das würde unser Bild auch bundesweit deutlich verändern.

sueddeutsche.de: Die SPD steht am Wahlabend vor allem deshalb positiv da, weil die CDU massiv verloren hat ...

Schreiner: ... und das, obwohl sich Bundeskanzlerin Merkel in den saarländischen Wahlkampf persönlich eingeschaltet hat. Diese Wahl zeigt: Die Bäume der CDU wachsen nicht in den Himmel. Ein Verlust von 13 Prozentpunkten ist schon eine ziemlich herbe Angelegenheit. Günstig wäre es natürlich, wenn in Thüringen auch noch ein Regierungswechsel zustande käme.

sueddeutsche.de: Wie soll das in Erfurt klappen? In Thüringen ist die Linke stärker als die SPD. Ihre Parteispitze hat zuvor erklärt, keinen Linken zum Ministerpräsidenten zu wählen.

Schreiner: Ich will mich in Thüringen nicht einmischen. Das ist Angelegenheit der dortigen SPD.

sueddeutsche.de: Mit anderen Worten: Auch die Bundes-SPD soll sich heraushalten?

Schreiner: Wir haben ja vereinbart, dass die Landesverbände entscheiden, was sie tun und verantworten können. Wie es in Erfurt weitergeht, ist Sache der thüringischen SPD. Ich weiß nicht, ob die Parteispitze Ratschläge erteilen sollte. Im Übrigen gilt nach wie vor der Satz von Johannes Rau: "Ratschläge sind auch Schläge."

© sueddeutsche.de/mel

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