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Schmiergeld-Affäre um Panzerkauf:Hoch verschuldet, hochgerüstet

Wie es bei den potenziellen Abnehmern um Demokratie und Menschenrechte bestellt ist, spielt dabei kaum eine Rolle. Auch nicht, dass die Rüstungsbranche als hochgradig korruptionsanfällig gilt. Der Exporterfolg und die Arbeitsplätze, das ist es, was zählt. So sollen deutsche Regierungsvertreter wiederholt in Athen darauf gedrängt haben, Waffensysteme in der Bundesrepublik zu kaufen. Obwohl Griechenland seit langem hoch verschuldet und hoch gerüstet ist. Und sich noch mehr U-Boote, Flugzeuge und Panzer eigentlich längst nicht mehr leisten kann.

Doch das hat keine Rolle gespielt, sofern es stimmt, was der frühere Spitzenbeamte Kantas kurz vor Weihnachten der Athener Staatsanwaltschaft erzählte. Der ehemalige Rüstungseinkäufer im Range eines Vize-Generaldirektors im Verteidigungsressort schilderte vier Tage lang, wie er sich bei Geschäften mit Firmen aus diversen Ländern habe schmieren lassen. Kantas hat sich selbst schwer belastet, warum also hätte er lügen sollen? Und noch etwas spricht eher für als gegen ihn. Seine Aussagen in Athen decken sich mit Erkenntnissen der Bremer Staatsanwaltschaft. Die ermittelt schon länger wegen mutmaßlicher Korruption bei Aufträgen für die deutschen Firmen Rheinmetall und Atlas.

Alles passt zusammen

Rund 18 Millionen Euro sollen bei der Modernisierung von U-Booten der Klasse Poseidon an griechische Amtsträger geflossen sein. Auch beim Verkauf des Rheinmetall-Flugabwehrsystems Asrad nach Athen soll Schmiergeld im Spiel gewesen sein. In Bremen weiß man, auf welchen verschlungenen Wegen Millionenbeträge nach Hellas geflossen sind. Kantas gibt nun zu, ein Teil sei bei ihm angekommen; über einen Mittelsmann von Rheinmetall und Atlas, den die Bremer als Geldboten betrachten. Das passt alles gut zusammen. Rheinmetall erklärt dazu, man wisse nichts von unzulässigen Zahlungen und habe solche auch nicht veranlasst.

Und Krauss-Maffei Wegmann erklärt, der Vertrag zum Leopard 2 sei Ergebnis eines "transparenten Vergabeverfahrens" gewesen, mit KMW als Sieger. Alle Angebote seien immer in Anwesenheit aller Anbieter geöffnet und bekannt gegeben worden, so ein Firmensprecher. Einfluss auf den Panzerdeal will Kantas jedoch, wie er den Ermittlern berichtete, im Vorfeld genommen haben. Als es darum gegangen sei, die Vergabebedingungen zu formulieren. Er, Kantas, habe zuerst Bedenken gegen einen so teuren, aus seiner Sicht überflüssigen Panzerkauf gehabt. Seine Bedenken habe er sich dann abkaufen lassen.