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Schlepper und Schleuser:"Das Mittelmeer ist tödlicher als die Mauer"

Hanna L. wurde als "Kopf einer internationalen Bande" verurteilt. Hanna hat 30 Jahre in einer Essener Baufirma gearbeitet und nie zuvor geschleust oder sich etwas zu Schulden kommen lassen. Der Journalist Stefan Buchen hat den Fall in seinem lesenswerten Buch "Die neuen Staatsfeinde" rekonstruiert und kommt zu dem Schluss, dass "Polizei und Justiz sich in einen unheilvollen Positivismus verstrickt haben. Blind für die Hintergründe, wollen sie nur Rechtsnormen durchsetzen."

Was soll man zuletzt sagen gegen das Argument einiger Kritiker, man könne die Arbeit der DDR-Fluchthelfer nicht mit heutiger Schleuserarbeit vergleichen? Schließlich habe es damals eine tödliche Grenze gegeben, während doch heute jeder Asylantrag genau geprüft werde?

Da muss Burkhard Veigel am Telefon lachen: "Die kommen ohne Schleuser ja nie dazu, einen Asylantrag zu stellen. Das Mittelmeer ist tödlicher als die Mauer." Veigel ist heute 80 Jahre alt, und er sagt: "Ich sehe keinen Unterschied zwischen dem, was ich gemacht habe und dem, was ein syrischer Fluchthelfer macht. Wenn ein Mensch in Not ist, hat er ein eigenes Gesetz. Und wenn ihm kein anderer hilft, müssen wir das eben tun."