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Schleckerfrauen zu Erzieherinnen:Einfach nett zu sein, reicht nicht

Es mag Schleckerfrauen geben, die ihren Beruf ehrlich geliebt haben. Die meisten aber nehmen solche Jobs bei Ausbeutern an, weil sie kaum eine Alternative haben. Mit einem mäßigen Schulabschluss sind die Aussichten einfach mager. Knapp 60 Prozent der Verkäuferinnen und Verkäufer im Einzelhandel haben einen Hauptschul- oder gar keinen Abschluss.

Ministerinnen Kristina Schröder und Ursula von der Leyen

Ministerinnen Kristina Schröder und Ursula von der Leyen (r., Archiv): Interessante Angebote von und für die Agentur für Arbeit

(Foto: Reuters)

Anders gesagt: Diejenigen unter den Verkäuferinnen und Verkäufern, die hätten Erzieher werden wollen, hätten keine Chance gehabt. Dort wird wenigstens die mittlere Reife verlangt. Der Notenschnitt sollte auch da nicht unter drei liegen.

Aber wahrscheinlich meinten von der Leyen und Schröder auch gar nicht, die Schleckerfrauen jetzt in eine zweijährige Umschulung zur Erzieherin zu schicken. Sie haben etwas ganz anderes vor Augen. Billiger als Erzieher auszubilden, ist nämlich, aus Schleckerfrauen Tagespflegemütter zu machen. Ein Sechs-Wochen-Kurs reicht und schon dürfen sie auf die Kleinen losgelassen werden. Das passt zum Vorschlag von Schröder, Hartz-IV-Empfänger umzuschulen.

Niemand will den Frauen und Männern bei Schlecker oder in Hartz IV unterstellen, dass sie Kinder schlecht behandeln. Unter ihnen sind sicher viele gute Mütter und Väter.

Aber Mutter, Vater - oder einfach irgendwie nett zu sein - reicht eben nicht aus. Die Debatte ist schon viel weiter. Die Forderung lautet, mindestens Fachhochschulreife vorweisen zu können um an einer Fachhochschule den Erzieherberuf studieren zu können.

Vor allem Schröder hat im Moment offenbar nur eines im Sinn. Die Zahl der Betreuungsplätze so schnell es geht hochzuschrauben. Zigtausende Plätze fehlen noch. Vor allem, weil es an Personal fehlt. Fast unmöglich, dass der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für unter Dreijährige ab 1. August 2013 umgesetzt ist. Es wird eine Klagewelle zu Lasten der Kommunen geben. Schröder will verhindern, dass daraus ein Tsunami wird, der auch sie kurz vor der Bundestagswahl hinwegspült.

Wer glaubt, Schleckerfrauen könnten von heute auf morgen Erzieherinnen werden, der glaubt auch, Bergarbeiter könnten Versicherungsverkäufer oder Steinmetze Hebammen werden. Wenn sie das beweisen wollen, können von der Leyen und Schröder gerne vorangehen. Die Agentur für Arbeit hält da sicher ein paar interessante Umschulungen für sie bereit. Gabelstaplerfahrer vielleicht? Oder Bienenzüchter? Sie haben die freie Wahl.