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Streit in der AfD: 160 000 Euro fehlen, fehlen nicht, fehlen, fehlen nicht...

  • Angeblich seien 160 000 Euro aus der Parteikasse verschwunden, berichtet der geschasste Bundesgeschäftsführer der AfD.
  • Der Bundesschatzmeister sieht sich wiederum vom NRW-Landeschef "erpresst".
  • Gerüchte gehen um, die Partei habe Zahlungsprobleme. Jetzt bittet sie um Spenden für den nächsten Bundesparteitag.

Andere würden am Ostersonntag mit ihren Kindern oder Enkeln Ostereier suchen gehen. Georg Pazderski hat anderes zu tun. Er schickt eine E-Mail. "Hallo Bernd", lautet die Anrede und richtet sich an einen der drei Sprecher der Alternative für Deutschland (AfD), an Bernd Lucke. Betreff: "Klarstellung: Informationen zu den Parteifinanzen".

Das klingt recht sachlich. Ist aber nur das neue Kapitel einer Schlammschlacht, die sich AfD-Funktionäre seit geraumer Zeit liefern.

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Pazderski ist Bundesgeschäftsführer der AfD. Noch. Er soll im Sommer gehen. So will es Lucke. An Stelle von Pazderski will er einen Generalsekretär installieren. Als rechte Hand des Parteivorsitzenden. Und der soll dann Lucke alleine sein. Wenn es nach Lucke geht. Pazderski ist bereits beurlaubt. Auf eigenen Wunsch. Das Vertrauensverhältnis zur Partei sei derart gestört, dass er nicht bis zum Schluss bleiben wollte.

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Um die Parteifinanzen gibt es jede Menge Gerüchte. Geld soll verschwunden sein. Das Rechnungswesen der Partei: ein einziges Chaos. In einer Mail vom Karfreitag erweckt Bundesschatzmeister Piet Leidreiter den Eindruck, ein nicht unwesentlicher Teil des Buchhaltungsproblems sei Pazderski gewesen.

Pazderski sieht darin ein Komplott. Zum "wiederholten Male" werde "der Versuch unternommen, die Schuld für die Misere im Rechnungswesen auf Bundesebene mir anzulasten". Er glaubt, dass ein Teil der Karfreitagsmail "auch aus Deiner Feder stammt", schreibt er Lucke. Pazderski wertet die Mail des Bundesschatzmeisters "als einen erneuten Versuch, meine Reputation zu beschädigen und einen Sündenbock für die eklatanten Fehler Dritter zu finden". Über die Mails hatte der SWR am Sonntag berichtet. Sie liegen der SZ vor.

"Das soll Leidreiter richtigstellen"

Pazderski kontert mit einem ungeheuerlichen Vorwurf: Unmittelbar nach der Europawahl 2014 habe er Lucke "mehrfach informiert", dass "160 000 Euro, die ich als verantwortlicher Leiter des Europawahlkampfes eingespart hatte, nicht mehr aufzufinden waren". Weder Bundesschatzmeister Leidreiter, noch der damals Verantwortliche für den Finanzbereich, Frank-Christian Hansel, hätten etwas über den Verbleib des Geldes sagen können.

160 000 Euro, das ist - wenn der Vorwurf stimmt - eine Stange Geld für eine Kleinpartei. Ein Sprecher der AfD teilte nun auf Nachfrage mit, das Geld sei nicht verschwunden und auch nie weg gewesen. Es sei im vergangenen Hamburg-Wahlkampf eingesetzt worden. Was sich wohl kaum nachprüfen lässt.

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Nicht genug der Querelen. Vergangene Woche eskalierte ein Streit zwischen dem nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden Marcus Pretzell und Bundesschatzmeister Leidreiter. Pretzell, einer der ärgsten Widersacher Luckes, soll versucht haben, Leidreiter zu erpressen. Zumindest spricht angeblich Leidreiter von "Erpressung", schreibt die FAZ. Pretzell entgegnet: "Das soll Leidreiter richtigstellen."

Pretzell soll Leidreiter angeblich gedroht haben, irgendetwas im aufkeimenden Bremer Landtagswahlkampf zu enthüllen. Leidreiter steht dort auf Platz zwei der Landesliste. Pretzell steht unter Druck. Er soll eine Steuerschuld nicht schnell genug beglichen haben. Deswegen soll ein Parteikonto gepfändet worden sein, berichtete die FAZ. Die angebliche "Erpressung" könnte der Versuch gewesen sein, Leidreiter zu bewegen, sich nicht länger gegen Pretzell zu stellen.

Defizit von 800 000 Euro?

Womöglich steht die Karfreitagsmail von Leidreiter in direktem Zusammenhang mit diesem ominösen Erpressungsversuch. Darin wendet sich Leidreiter "aus gegebenem Anlass" an seine Parteifreunde. Ein AfD-Sprecher will Leidreiters Mail allerdings als Reaktion auf einen Brief Luckes von vergangener Woche verstanden wissen. Der hatte sich angeblich beschwert, nicht ausreichend über die Finanzen der Partei informiert worden zu sein.

Wie auch immer, es geht um Gerüchte "auch innerhalb der Partei", dass die AfD im Jahr 2014 ein Defizit von 800 000 Euro erwirtschaftet "und/oder Zahlungsprobleme habe", schrieb Leidreiter. Das sei aber so oder so falsch. Die Zahl beruhe auf Rohdaten der Buchführung, in der weder Mehreinnahmen noch Minderausgaben erfasst worden seien.

"Der Bundesverband war und ist selbstverständlich zu jedem Zeitpunkt zahlungsfähig." Angeblich würden bereits Millionen Euro für die kommenden Wahlkämpfe gespart, so Leidreiter.

Nur für den nächsten Bundesparteitag Mitte Juni fehlt offenbar das Geld. Die AfD geht dafür öffentlich betteln. "Geldbombe Mitgliederparteitag" nennt sie das Projekt. 150 000 Euro müssen zusammenkommen. Ziemlich genau der Betrag, den der beurlaubte Bundesgeschäftsführer Pazderski für vermisst erklärt hat.

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