Schlachtfeld von Verdun heute:"Wenn die Leute Krieg führen wollen, sind ihnen künftige Generationen egal"

Erster Weltkrieg - Verdun Ruinen

Ruinen in der Stadt Verdun im Jahr 1916.

(Foto: dpa)

Die Behörden äußern sich nur vage über den Grund der Verschmutzung, aber die betroffenen Orte liegen genau dort, wo die schlimmsten Schlachten tobten. Für die Bürgermeister der Gemeinden jedenfalls gibt es keine Zweifel, was die Ursache ist.

Etwa 15 Prozent der Milliarden von Granaten, die im Ersten Weltkrieg verschossen wurden, explodierten nicht. Zum Teil stecken sie tief im Boden, kommen aber regelmäßig zum Vorschein, bei Bauarbeiten etwa oder wenn Bauern ihre Felder pflügen. Dann wird die Bevölkerung in Sicherheit gebracht und die Bombe unschädlich gemacht.

Für die Betroffenen ist das fast Routine. Gut 1000 Einsätze hat die Bombenräumbrigade aus Metz schon hinter sich, allein auf einem kleinen Abschnitt der alten Schützengräben nahe Verdun kümmert sie sich um 45 bis 60 Tonnen Munition im Jahr. "Wir sind die Müllmänner der Schlachtfelder", sagt Christan Cléret, Chef der elf Mann starken Einheit und selbst Sohn eines Minenräumers.

Seine Nachkommen werden die Tradition fortsetzen können: Pessimisten glauben, dass es mehrere Jahrhunderte dauern wird, bis alles gesäubert ist. "Ein paar Jahrzehnte dauert es auf jeden Fall", versichert Cléret.

Mit seinen 33 Jahren Berufserfahrung kann der Sprengmeister auf einen Blick den Typ und die Gefährlichkeit der Granaten und anderer explosiver Fundstücke abschätzen. "Nach Jahren im feuchten Boden werden die Hüllen der Sprengkörper brüchiger", sagt er. "Unter diesen Bedingungen zerfallen sie schneller."

Etwa zwei Prozent der gefundenen Munition enthalten chemische Kampfstoffe, vor allem Senfgas, Phosgen und Diphosgen. Christian Cléret und seine Leute haben gelernt, die Granaten auseinanderzuhalten. "Im Zweifel machen wir eine Röntgenaufnahme."

Die Chemiewaffen werden ins Militärlager in Suippes gebracht, wo etwa 200 Tonnen zwischengelagert werden. Nachdem Frankreich die Konvention zum Verbot der Lagerung chemischer Waffen unterzeichnet hatte, wurde 1997 eine Einrichtung geplant, um die giftigen Granaten zu vernichten.

Nach einigen Verzögerungen haben die Arbeiten daran gerade in Mailly-le-Grand begonnen, frühestens 2016 wird die Anlage eröffnet. Die Chemiewaffen werden dann dort in einer abgedichteten Kammer auseinandergenommen, die Reste in anderen Teilen der Anlage unschädlich gemacht.

Doch die Blindgänger auf den früheren Schlachtfeldern sind nicht das einzige Problem. Nach Kriegsende wurde auch unbenutzte Munition, vor allem Chemiewaffen, entsorgt. In Frankreich wurden Tausende Tonnen im Lac d'Avrillé (im Westen des Landes; Anm. d. Red.) versenkt oder in der Jardel-Höhle (an der Schweizer Grenze) vergraben.

An die Zukunft der Anwohner dachte damals beim Militär offenbar niemand. "Wenn die Leute Krieg führen wollen", sagt Jacky Bonnemains, "sind ihnen künftige Generationen ziemlich egal."

Der Autor Benoît Hopquin schreibt für die französische Zeitung Le Monde.

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© SZ vom 23.01.2014/odg
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