Sowjet-Soldaten über Stalingrad – Qualen durch Artilleriebeschuss

"Und nun, um 8.30 Uhr am Morgen des 4. November, breiteten plötzlich faschistische Aasgeier ihre Flügel über dem Kraftwerk aus. 49 Ju-87 oder Musikanten, wie wir sie nannten, warfen systematisch Bomben ab, um unser Kraftwerk zu zerstören. Jedes dieser 49 griff mehrmals im Sturzflug an. Besonders unangenehm war das Heulen der Sirenen. Ich glaube nicht daran, dass man sich, sagen wir, an Artilleriebeschuss, an Bombardements gewöhnen kann, ich finde keine Wahrheit in dieser Aussage. Jedes Bombardement und jeder Artilleriebeschuss ist meiner Meinung nach für alle Menschen nur schwer und unter Qualen zu ertragen, und es kann lediglich darum gehen, wie sehr man sich beherrscht, wie sehr man seine Gefühle verbirgt. Also ich habe noch nie Schlimmeres erlebt, als ich in diesen Minuten erlebt habe. Ich habe schon oft gehört, dass die Rotarmisten weniger die Bomben fürchten als die Sirene des Bombers im Sturzflug. Nun habe ich mich davon überzeugt, dass das die reine Wahrheit ist. Tatsächlich, die Sirene bringt die Menschen außer Fassung."

(Konstantin Subanow, Chefingenieur im Energiekombinat, aus: Hellbeck: Stalingrad-Protokolle, S. 154)

Foto: Deutsche Flugabwehr bei der Schlacht um Stalingrad 1942

Bild: Scherl 19. November 2012, 18:122012-11-19 18:12:01 © Süddeutsche.de/gal/odg/sana/rus