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Schicksalswahl in Griechenland:Europa blickt nach Athen

Die Europäische Union und die internationalen Finanzmärkte schauen mit bangem Blick auf den Ausgang der Parlamentswahl in Griechenland. Die Euro-Retter haben dem hoch verschuldeten Land zwar noch einmal die Hand entgegengestreckt. Doch eine pro-europäische Mehrheit ist keineswegs sicher. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel signalisiert keine Kompromissbereitschaft.

Werden sich die Griechen für das Sparen entscheiden oder für die Aufkündigung der Vereinbarungen mit den Geldgebern? Werden sie für Reformen stimmen oder für die Rückkehr zum alten System? Seit sechs Uhr morgens haben die Wahllokale geöffnet, in letzter Konsequenz geht es bei der Parlamentswahl um die Frage, ob Athen in der Eurozone bleibt oder zur Drachme zurückkehrt - eine Entscheidung mit unabsehbaren Folgen.

Ersten Prognosen zufolge zeichnet sich ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Bündnis der radikalen Linken und den Konservativen voraus. Es gilt als sicher, dass keine Partei die absolute Mehrheit erreichen wird. Der erste Platz ist ein wesentlicher Vorteil bei der Regierungsbildung, da dieser in Griechenland 50 Bonusmandate für das 300-köpfige Parlament bringt.

Eine Parlamentsmehrheit für die radikale Linkspartei Syriza um Parteichef Alexis Tsipras wäre eine Hiobsbotschaft für die Eurozone. Die Syriza will das mit den Geldgebern vereinbarte Sparpaket einseitig aufkündigen. Allerdings sind die Kredite des Euro-Krisenfonds EFSF und des Internationalen Währungsfonds IWF an die Sparauflagen gebunden. Sollte Griechenland sie nicht erfüllen, werden weitere Zahlungen gestoppt. Dann droht der Staatsbankrott.

Die Euro-Retter streckten dem hoch verschuldeten Land kurz vor der Wahl noch einmal die Hand entgegen: Über die Laufzeit der Athener Sparprogramme könne noch einmal diskutiert werden, zitiert das Magazin Focus aus Kreisen um den Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker. Die Inhalte seien dagegen unumstößlich. Damit wollten die Euro-Retter das proeuropäische Lager in Griechenland um die Konservativen und Sozialisten stärken. Die konservative Neo Dimokratia und die sozialistische Pasok wollen das Spar- und Reformpaket zwar umsetzen, aber mit den Geldgebern über Lockerungen und Aufschübe verhandeln.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) signalisierte keine Bereitschaft zu neuen Kompromissen. Europa könne nur funktionieren, wenn alle Mitgliedsstaaten sich an Haushaltsdisziplin hielten, sagte sie beim Landesparteitag der hessischen CDU in Darmstadt. Mit der bisherigen Praxis "Versprochen - gebrochen - nichts passiert" müsse Schluss sein. "So geht das in Europa unter keinen Umständen weiter."

Eine neue Ära für Griechenland?

Kurz nach dem Schließen der Wahllokale in Griechenland um 18 Uhr wird mit ersten Prognosen gerechnet. "Die Wahlen verlaufen normal, wie wir es geplant hatten", erklärte Innenminister Antonis Manitakis am Vormittag. "Heute spricht das griechische Volk. Morgen beginnt eine neue Ära für Griechenland", sagte der Chef der Konservativen, Antonis Samaras, im Fernsehen nach der Stimmabgabe in seiner Heimatstadt Pylos.

Vor dutzenden Journalisten gab Alexis Tsipras seine Stimme im Athener Stadtteil Kypseli ab. Zu Befürchtungen, Griechenland gehe Bankrott, wenn die Linke gewinne, sagte er: "Wir haben die Angst besiegt. Heute gehen wir einen neuen Weg. In ein Europa das sich ändert." Die Zukunft gehöre denjenigen, die Hoffnungsträger sind, sagte der 37-jährige Star der Politikszene Griechenlands.

Der Chef der Sozialisten äußerte sich entschlossen: "Das Land muss morgen eine Regierung haben", sagte Evangelos Venizelos. Nur eine breite Koalition, eine Regierung der Nationalen Verantwortung, könne das Land aus der Krise führen und es im Euroland halten

© Süddeutsche.de/dpa/dapd/feko/luk
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