Schengen:Sechs Monate müssen reichen

Grenzkontrollen? Nicht lange!

Von Thomas Kirchner

Der Schengen-Raum der freien Grenzen, diese große europäische Errungenschaft, existiert nur noch im Krisenmodus. Im vergangenen Herbst war es angebracht, die Grenzkontrollen in einigen Staaten wieder einzuführen. Anders hätte sich der Flüchtlingsstrom nicht kanalisieren lassen. Denn an den Außengrenzen winkte man die Migranten damals lediglich durch.

Seither hat sich vieles verändert. Die Zusammenarbeit mit der Türkei hat die Zahl der ankommenden Flüchtlinge drastisch verringert und damit auch verhindert, dass das überforderte Griechenland endgültig zusammenbricht. Gleichzeitig haben die EU-Staaten einiges auf den Weg gebracht, um den Schutz der Außengrenzen zu verstärken: vom System der Hotspots bis zu den geplanten europäischen Grenzschutz-Teams. Trotzdem will die EU-Kommission Deutschland und anderen nun gestatten, die Kontrollen noch einmal um ein halbes Jahr zu verlängern. Für Urlauber eine schlechte Nachricht. Ist das also richtig?

Leider ja, der Vorratsbeschluss muss sein. Es gibt zu viele Unwägbarkeiten. So könnte der Deal mit Ankara wegen des Streits um die Visaliberalisierung wieder kippen; der gemeinsame Grenzschutz ist noch nicht beschlossen; und die Flüchtlinge kommen wieder verstärkt übers Mittelmeer. Die sechs Monate aber müssen reichen, um die Krise in den Griff zu bekommen. Sonst wird sie zum Dauermodus.

© SZ vom 02.05.2016
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