Schelsky und die AUB-Affäre Der Provinz-Pate

Wilhelm Schelsky brachte die Betriebsräteorganisation AUB als zahme Alternative zu den oft renitenten Gewerkschaften in Stellung - und schuf ein tragfähiges Beziehungsgeflecht, das bis in die Landes- und Bundespolitik reichte.

Ein Kommentar von Uwe Ritzer

Er stieg bei einer Firma nach der anderen ein, kaufte sich hübsche Wohnungen und tat nebenbei auch noch das, wofür Siemens ihm mutmaßlich viel Geld zugesteckt hat: Wilhelm Schelsky brachte die Betriebsräteorganisation AUB als zahme Alternative zu den oft renitenten Gewerkschaften in Stellung.

Das gefiel den Politikern im östlichen Mecklenburg-Vorpommern ganz besonders. In einem von schwacher Wirtschaftskraft und hoher Arbeitslosigkeit geplagten Landstrich kann sich ein hemdsärmeliger Macher mit viel Geld vieles erlauben, was ihm woanders nicht so leicht durchginge.

Als Unternehmer schuf Schelsky Arbeitsplätze und paradoxerweise sorgte er zugleich als Arbeitnehmervertreter dafür, dass die Beschäftigten nur ja nicht zu viel verdienten.

Er sponserte Fußballer und - wie man jetzt weiß - auch Politiker.

So knüpfte der seit 14 Monaten in Untersuchungshaft sitzende Ex-AUB-Chef ein tragfähiges Beziehungsgeflecht, das bis in die Landes- und Bundespolitik reichte. Aus dessen Greifswalder Mitte heraus verteilte Schelsky seine Gunst.

Hier flossen ein paar tausend Spenden-Euros an die Greifswalder CDU, dort ging Geld an den Landesverband der Partei.

Und obendrauf kamen mindestens 110.000 Euro für Wahlkampfprospekte sowie anderes Werbematerial für den Greifswalder Bundestagsabgeordneten Ulrich Adam.

Das Kalkül: Der CDU-Landesvize und alte Vertraute von Kanzlerin Merkel könne ja Schelsky oder der AUB irgendwann einmal von Nutzen sein. So zog Wilhelm Schelsky wie ein Provinz-Pate von Greifswald aus die Strippen.

Die Siemens-Millionen haben ihm dabei geholfen, auch wenn das Unternehmen vermutlich gar nicht wusste, was Schelsky damit alles anstellte.