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Scheidende Familienministerin:Warum Schröder ihr Leben neu ausrichtet

Bundesfamilienministerin Schröder

Kristina Schröder will mehr Zeit für ihre Tochter haben.

(Foto: dpa)

Kristina Schröder will nicht erneut Familienministerin werden. In einem Interview äußert sie sich erstmals ausführlich zu den Hintergründen und verteidigt abermals ihre Politik. Mit Selbstkritik hält sie sich zurück.

In Berlin haben die Sondierungsgespräche für eine mögliche Koalition gerade erst begonnen. Es geht um Schwarz-Rot oder Schwarz-Grün, Steuererhöhungen, Bildungsinvestitionen und Mindestlohn. Worum es offiziell noch gar nicht geht, das sind Personen. Doch egal, wie die Verhandlungen am Ende ausgehen werden, eines ist jetzt schon klar: Kristina Schröder wird dem neuen Kabinett nicht mehr angehören.

Bereits am Wahlabend hatte die CDU-Politikerin offiziell mitgeteilt, dass sie in der neuen Legislaturperiode nicht wieder als Familienministerin zur Verfügung steht. Sie wolle sich künftig mehr ihrer zweijährigen Tochter Lotte widmen, sagte sie da. Bekannt war das allerdings schon lange - dank einer Indiskretion aus der hessischen CDU. "Ihre Familiensituation steht dem entgegen", hatte ein namentlich nicht genanntes Mitglied der dortigen Parteiführung der Bild-Zeitung gesteckt.

In einem Interview mit dem Spiegel begründet Schröder nun ausführlich ihren Rückzug aus der Regierungsmannschaft. Sie zieht in gewisser Weise ein Fazit ihrer Zeit als Ministerin - obwohl darin zentrale Themen der vergangenen vier Jahre nicht einmal angesprochen werden: das heftig umstrittene Betreuungsgeld, das Schröder brav, wenn auch eher leidenschaftslos durchsetzte, der Krippenplatzausbau und eine Bewertung aller familienpolitischen Leistungen, gegen deren schönfärberische Umdeutung sich sogar die beauftragten Forscher selbst wandten. Dennoch führt das Gespräch in einigen Punkten ganz gut vor Augen, mit welchen Schwierigkeiten die heute 36-Jährige zu kämpfen hatte und woran es ihr wohl selbst mangelte.

Denn eines ist klar: Besonders beliebt machte sich Schröder, die mit nur 32 Jahren Familienministerin wurde, nicht - weder bei der Mehrzahl der Wähler, wie schlechte Umfragewerte, eine Online-Kampagne der Grünen und auch eine Leserumfrage von SZ.de zeigten, noch in den Medien. Und selbst der Rückhalt in ihrer Partei war brüchig, vor allem im hessischen Landesverband, dem sie angehört. Nur Kanzlerin Angela Merkel stand von Anfang an fest zu ihrer Ministerin - und ernannte sie sogar, obwohl Schröder sie darauf hingewiesen hatte, bald eine Familie gründen zu wollen.

Familienleben unter besonderen Bedingungen

Schröder ist denn auch die erste Ministerin, die während ihrer Amtszeit schwanger wurde und ein Kind bekam. Unmittelbar nach dem Mutterschutz nahm sie ihre Arbeit wieder auf. "Mir ist das ziemlich schwergefallen", bekennt sie im Spiegel und spricht von unterbrochenen Nächten, Stillzeiten und der ausgefeilten Terminkoordinierung mit ihrem Mann, Innenstaatssekretär Ole Schröder. Probleme, die wohl viele Eltern kennen - wenn auch selten unter diesen extremen Bedingungen. Mit einer 40-Stunden-Woche ist es bei einer Bundesministerin ja nicht getan.

Da wäre es schon interessant gewesen, auch einmal zu erfahren, wie Schröder damit umgeht, als junge Mutter nicht immer zur Verfügung zu stehen, ob es aufgrund dessen vielleicht Ausgrenzungsversuche oder Anfeindungen von Seiten ihrer sogenannten Parteifreunde gab. Doch dazu findet sich in dem Interview nichts. Schröder hatte ja auch von Anfang an klargestellt, ihre private Situation nicht auch politisch thematisieren zu wollen.

Stattdessen betont Schröder es als "Pflicht als Ministerin verstanden" zu haben, "offensiv zu ihren familiären Verpflichtungen zu stehen". Statt ein Beispiel aus ihrem eigenen Leben zu nennen, spricht sie über Führungskräfte, die zu den Laternenumzügen ihrer Kinder wollten, und sie kritisiert nicht ihre Kollegen in der Politik, sondern Journalistinnen, die so wenig Nachsicht übten. Die Familienministerin, die doch so viele Schwierigkeiten mit den Menschen teilt, für die ihr Ressort Politik macht, bleibt auch im Spiegel-Gespräch irgendwie ungreifbar.