Schäubles Steuerpläne für Schwarz-Rot Die Koalition, die wir wollten

Keine 72 Stunden nach Schließung der Wahllokale spekuliert Finanzminister Schäuble über Steuererhöhungen. Kritiker fühlen sich an die erste große Koalition unter Merkel erinnert.

Ein Kommentar von Claus Hulverscheidt, Berlin

Also doch! Hatte man's nicht geahnt? Keine 72 Stunden nach Schließung der Wahllokale haben Andeutungskünstler wie Wolfgang Schäuble am Mittwoch damit begonnen, die Bürger auf ein Antrittsgeschenk der wahlweise schwarz-roten oder schwarz-grünen Koalition vorzubereiten, auf das viele wohl gut verzichten könnten: Steuererhöhungen.

Das erinnert gewaltig an das Jahr 2005, als die Union im Wahlprogramm eine Mehrwertsteuererhöhung um zwei Punkte vorgeschlagen hatte und dafür von der SPD wüst beschimpft worden war. Am Ende schlossen sich die Parteien zu einer großen Koalition zusammen - und hoben die Mehrwertsteuer gleich um drei Punkte an.

Skepsis ist also angebracht; und doch hat Schäuble nicht mehr getan, als eine Banalität auszusprechen: Wenn Parteien ein Zweckbündnis schließen, dann muss der zugehörige Vertrag ein nach Wahlerfolg gewichtetes Mittel der unterschiedlichen Programme sein - was denn sonst?

Obendrein bekäme die Mehrzahl der Bürger ja zumindest mit Schwarz-Rot genau die Koalition, die sie angeblich wollte: eine große nämlich. Und das muss gar nicht schlecht sein, nicht einmal für den Geldbeutel.

Kombiniert man nämlich die Steuererhöhungsideen der SPD für Spitzenverdiener mit den Steuersenkungsplänen der Union für mittlere Einkommen, könnte diesmal statt einer bösen Überraschung eine sinnvolle Reform am Ende der Koalitionsverhandlungen stehen.