CDU Zeichen des Zerfalls

Schäuble unterstützt Merz - und treibt so die Spaltung der CDU voran. Offenbar war die Versuchung zu groß, gegen die Kanzlerin zu agieren.

Kommentar von Nico Fried, Berlin

Wolfgang Schäuble, den manche gerne als großen alten Mann der CDU ansehen, hat nun bestätigt, was viele ahnten: Er unterstützt Friedrich Merz, der einst sein politischer Zögling war und längst zu seinem Freund geworden ist. Das offene Wort Schäubles zugunsten des Rückkehrers wird Eindruck machen auf die Delegierten des Parteitags, aber es zeigt auch: Die CDU der Merkel-Jahre zerfällt. Es bilden sich ganz offen gegnerische Lager.

Schäuble bricht durch diese Festlegung auch mit Angela Merkel, da kann er ihre Amtszeit noch so sehr würdigen. Er will einen Kurswechsel und er will ihn von Merz. Der ist das Gegenmodell zur amtierenden Vorsitzenden. Er soll die Partei wieder konservativer aufstellen, weg vom Mitte-Kurs der Kanzlerin.

Schäuble übernimmt eine große Verantwortung. Wenn Merz gewinnt, aber als Parteichef scheitert, muss man das auch seinem Förderer zuschreiben. Bei Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer ist das ähnlich, allerdings hat Merkel jede Einmischung vermieden. Auch Schäuble hätte überlegen sollen, ob es nicht klüger gewesen wäre, eine offene Unterstützung von Merz zu unterlassen, um eine möglicherweise nach dem Parteitag tief zerstrittene Partei wieder einen zu können. Aber offenbar war die Versuchung, gegen Merkel zu agieren, zu groß.

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Schäuble will Merz als CDU-Chef

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