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Saudischer Kronprinz:Abschied von der arabischen Brüder-Rhetorik

Saudi Arabia's Crown Prince Mohammed bin Salman Al Saud is seen during a photo opportunity at the United Nations headquarters in Manhattan

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman Ende März in New York

(Foto: REUTERS)

Mit seiner Aussage über Israels Existenzrecht beendet der saudische Kronprinz bin Salman eine lange währende Feindschaft. Es handelt sich auch um ein Manöver gegen Iran.

Kommentar von Dunja Ramadan

Lange Zeit mogelten sich arabische Politiker mit poetischen Reden an der Realität vorbei und ließen sich allein von ihrem eigenen Interesse leiten. Mit Sätzen wie "Wir stehen an der Seite unserer arabischen Brüder" oder unserer "muslimischen Geschwister" versuchte man, zumindest die eigene Bevölkerung im Glauben zu lassen, dass man im Nahostkonflikt klar Stellung bezieht: solidarisch an der Seite der Palästinenser, denen man sich wegen der gemeinsamen Kultur, Religion und Sprache verbunden fühlt.

Die Schönheit einer Formulierung, gespickt mit arabischem Nationalismus und religiösem Vokabular, war für viele Araber wichtiger als der Inhalt der Rede. Doch Mohammed bin Salman, der saudische Kronprinz, hat sich von dieser arabischen Brüder-Rhetorik nun ein für allemal verabschiedet.

Neues Kapitel in der arabisch-israelischen Geschichte

Wie in so vielen innenpolitischen Großthemen setzt er auch in den Beziehungen der arabischen Staaten zu ihren Nachbarn - und vor allem zu Israel - auf neue Pragmatik. Im Interview mit dem US-Magazin The Atlantic sagte er, dass auch Israel das Recht auf ein eigenes Land habe. Israel sei eine große und wachsende Wirtschaftsmacht und es gebe natürlich viele Interessen, die man miteinander teile. Um Stabilität zu gewährleisten und normale Beziehungen zu entwickeln, sprach sich Salman für ein Friedensabkommen aus.

Damit bestätigt der Kronprinz einerseits das, was hinter den Kulissen längst eingetreten ist: die allmähliche Normalisierung der saudisch-israelischen Beziehungen. Doch dass gerade aus Saudi-Arabien, das als Herrscher über die Heiligen Stätten des Islams eine Monopol- und Machtstellung einnimmt, diese Aussage kommt, ist ein Beweis dafür, dass ein neues Kapitel in der arabisch-israelischen Geschichte aufgeschlagen wurde.

Mohammed bin Salmans Aussage kann als offizielles Ende einer lang währenden Feindschaft verstanden werden. In der arabischen Bevölkerung wird er sich damit keine Freunde machen. Doch Salman legt keinen Wert auf poetischen Schein. Er ist nicht auf die Gunst einer arabischen Mehrheit angewiesen, vielmehr geht es ihm um Machtsicherung: Er möchte gemeinsam mit Israel eine Front gegen den schiitischen Iran bilden - und dafür spricht er auch mal Klartext.

© SZ.de/bepe

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