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Saudi-Arabien und Iran:Die Reserven des Landes könnten bald aufgebraucht sein

Strukturreformen wie die Diversifizierung der Wirtschaft mahnt etwa der Internationale Währungsfonds (IWF) schon lange an - und rechnet den Saudis vor, dass ihre Reserven anderenfalls binnen fünf Jahren aufgebraucht sein könnten, wenn der Ölpreis niedrig bleibt. Die Regierung könne nicht länger "Arbeitgeber der ersten Wahl sein und Wachstum durch große Infrastrukturprojekte schaffen", sagt auch Farouk Soussa, Chefökonom der Citigroup für den Nahen Osten. Und sie könne nicht länger das Volk mit Subventionen und Wohltaten überschütten. Doch werden die Bürger dann mehr Mitsprache verlangen?

Die geplanten Ausgaben für Infrastruktur und Transport hat die Regierung um zwei Drittel gekürzt, dazu wurden Prestigeprojekte gestoppt wie neue Stadien. Zugleich muss sie Millionen neuer Jobs schaffen; die Arbeitslosigkeit unter den 15- bis 24-Jährigen liegt bei 30 Prozent, und zwei Drittel der Bevölkerung ist jünger als 30. "Wenn nicht in der Krise, wann dann sollen wir die nötigen Reformen durchsetzen?", sagt ein mit den Diskussionen in Riad vertrauter Saudi. Gesteigert werden dagegen erneut die Verteidigungsausgaben, die mit elf Prozent der Wirtschaftsleistung relativ ohnehin zu den höchsten der Welt zählen.

Süddeutsche Zeitung Wirtschaft Ölpreise lassen sich nicht vorhersagen
Ölmarkt

Ölpreise lassen sich nicht vorhersagen

Gewiss ist nur eins: Irgendwann kehren sich die meisten Trends von allein um.   Von Jan Willmroth

Irans Einstieg ins Ölgeschäft wird die Preise weiter drücken

Das geschieht mit Blick auf Iran, den Rivalen auf der anderen Seite des Golfs. Nach Aufhebung der Sanktionen kehrt das Land an die Ölmärkte zurück; Analysten erwarten, dass es seine Förderung 2016 um 600 000 bis eine Million Barrell pro Tag steigert, die Regierung will mehr - was die Preise weiter drücken dürfte. Iran steht zwar vor der einmaligen Situation, auf etwa 100 Milliarden Dollar zugreifen zu können, die wegen der Sanktionen eingefroren waren - der Staatshaushalt macht nur 75 Milliarden aus. Dem steht ein massiver Investitionsbedarf entgegen - in der Ölindustrie, bei den Fluggesellschaften, aber auch in fast allen anderen Wirtschaftszweigen.

Alleine im Öl- und Gassektor hat Iran im Dezember Projekte für 30 Milliarden Dollar ausgeschrieben. Das Land hat wie Saudi-Arabien niedrige Förderkosten, sodass es auch beim jetzigen Preis Profite macht. Ob aber internationale Konzerne gewillt sind, in diesem Marktumfeld Milliarden in Iran zu investieren, muss sich erst zeigen.

Iran hat unter den Sanktionen notgedrungen seine Wirtschaft diversifiziert, war aber immer breiter aufgestellt als die Saudis. Laut der Regierung haben Steuern 2015 erstmals die Öleinnahmen überstiegen. Der Haushalt, den Präsident Hassan Rohani für das am 21. März beginnende Jahr vorgelegt hat, soll sich nur mehr zu knapp 25 Prozent aus Öleinnahmen speisen. Doch spürbares Wirtschaftswachstum wird Iran nur mit höheren Ölpreisen erzielen können. Viele Iraner, auch aus der Mittelschicht, können nur mit mehreren Jobs ihren Lebensstandard halten. Subventionen und Direktzahlungen musste Rohani schon kurz nach Amtsantritt 2013 kürzen. Die Hoffnungen auf ein besseres Leben sind groß - aber viele Iraner sind angesichts der grassierenden Korruption, der großen Rolle des Staates in der Wirtschaft und der verbreiteten Inkompetenz skeptisch, ob sie sich rasch erfüllen werden.