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Saudi-Arabien:Scharia-Gericht verurteilt jungen Mann wegen Gotteslästerung zum Tode

  • Ein junger Mann in Saudi-Arabien hat einen Koran zerrissen und mit einem Schuh auf das Buch eingeschlagen. Dafür soll er nun mit dem Tode bestraft werden.
  • Im vergangenen Jahr hatte das Königreich Atheismus als Straftatbestand in ein neues Terrorgesetz aufgenommen.
  • Die Strafe gegen den liberalen Blogger Badawi hingegen wird womöglich gestoppt.

Urteil wegen Beleidigung des Propheten

Weil er seinen muslimischen Glauben geleugnet haben soll, ist ein junger Mann von einem Scharia-Gericht zum Tode verurteilt worden. Wie die englischsprachige Zeitung Saudi Gazette berichtet, soll er Mitte 20 sein und den Propheten Mohammed sowie dessen Tochter Fatimah beleidigt haben. Außerdem zerriss er einen Koran und schlug mit einem Schuh auf das Buch ein. Ein Video von der Aktion stellte er online. Die Todesstrafe wird in Saudi-Arabien durch öffentliches Enthaupten vollzogen.

Im vergangenen Jahr veröffentlichten mehrere Saudis bei Twitter Bilder zerrissener Korane. Damit reagierten sie auf ein neues Terrorismus-Gesetz, verabschiedet im März 2014. Darin wird unter anderem Atheismus als Form des Terrors gewertet. Der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zufolge dient das neue Gesetz dazu, Oppositionelle leichter verfolgen zu können.

Strafe gegen Badawi womöglich aufgehoben

Bekanntestes Opfer der religiösen Rechtsprechung in Saudi-Arabien ist aktuell der Blogger Raif Badawi. Er wurde im vergangenen Jahr zu zehn Jahren Haft und insgesamt 1000 Schlägen verurteilt. Er soll auf seiner Internet-Seite "Liberal Saudi Network" den Islam beleidigt und die Religionspolizei kritisiert haben. Tatsächlich hatte sich der 30-Jährige für eine Diskussion über das Verhältnis von Religion und Staat in Saudi-Arabien eingesetzt.

Der Fall sorgte weltweit für Kritik. Badawis Frau setzt sich von ihrem Exil in Kanada aus für die Freilassung ihres Mannes ein, genauso wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Das Engagement zeigt offenbar Wirkung. Die ersten 50 Schläge hatte Badawi Anfang Januar erhalten. Zuletzt war die Strafe jedoch ohne Begründung immer wieder aufgeschoben worden. Nun soll sie sogar ganz gestoppt worden sein. Anfang Februar wurde eine Bekannte Badawis freigelassen, die die Seite "Liberal Saudi Network" mit gegründet hatte.