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Drohnenangriffe auf Ölanlagen:Warum Saudi-Arabien Iran beschuldigt

Mohammed bin Salman

Hatte den Jemenkrieg einst als Verteidigungsminister begonnen: Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman.

(Foto: Susan Walsh/AP)
  • Saudi-Arabien meint, die Huthi-Rebellen hätten seine Ölanlagen von Iran aus mit iranischen Waffen angegriffen - nur wie genau, wissen die Saudis offenbar noch nicht.
  • Die beiden Länder kämpfen um die Vormachtstellung in der Region, im Jemen führt das sunnitische Saudi-Arabien einen Krieg gegen die schiitische Miliz.
  • Der Huthi-Militärsprecher selbst macht mysteriöse Andeutungen über saudische Helfer.

Am Persischen Golf beginnt die Woche mit neuen Drohungen. Da sind zum einen die Huthi-Rebellen in Jemen, die Saudi-Arabien am Montagmorgen versichern, ihr "langer Arm" werde jeden Ort im Königreich erreichen - und zwar zu jedem von ihnen bestimmten Zeitpunkt. Am Samstag hatten die Rebellen die Angriffe auf zwei saudische Ölanlagen in Abqaiq und Khurais für sich reklamiert. Für Riad sei es deshalb an der Zeit, schrieb General Yahya Sare'e auf Twitter, "die Aggression und Blockade von Jemen" zu beenden. Sonst könnten in "jedem Augenblick" weitere Anschläge auf den staatlichen Ölkonzern Aramco folgen.

Doch Riad glaubt nicht, dass der Anschlag aus Jemen kommt. Am Montagnachmittag tritt Turki al-Maliki, der Sprecher der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition in Jemen, vor Journalisten in der Hauptstadt. Alles deute darauf hin, "dass die Waffen, die bei beiden Angriffen genutzt wurden, aus Iran stammten", sagt al-Maliki. Außerdem seien die Anschläge nicht von jemenitischem Boden aus verübt worden. Al-Maliki betont, man werde wichtige Einrichtungen zu verteidigen wissen. "Wir haben die Fähigkeit, diesen Angriffen entgegenzutreten", sagt er und verspricht, Beweise vorzulegen.

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Bei den Angriffen auf saudische Ölanlagen sollen jemenitische Huthi-Rebellen nach Angaben Saudi-Arabiens iranische Waffen benutzt haben. US-Präsident Trump hat Vergeltung für die Angriffe angekündigt.

Am Abend teilte das Außenministerium in Riad mit, man wolle die Vereinten Nationen und internationale Experten einladen, sich an den noch laufenden Ermittlungen zu beteiligen.

Seit 2015 führt Riad eine Militärallianz sunnitischer Staaten im Nachbarland Jemen an. Dort kämpft das Bündnis gegen die schiitische Huthi-Miliz, die 2014 die Hauptstadt Sanaa einnahm und zumindest militärisch von Iran unterstützt wird. Die Vereinten Nationen nennen den Jemenkrieg die "größte humanitäre Katastrophe der Welt". Millionen Menschen leiden Hunger. Riad rechtfertigt den Krieg damit, die Legitimität von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi wiederherstellen zu wollen. Dahinter aber steht die Konkurrenz des sunnitischen Saudi-Arabien mit dem schiitischen Iran um die regionale Vormachtstellung, beide versuchen, sie durch möglichst viele Verbündete auszubauen.

Die Frage ist nun: Wie weit reicht der Arm der Huthis wirklich? Die jemenitische Grenze ist mehr als 1000 Kilometer von den Anschlagsorten entfernt. Washington zufolge wurde zudem aus dem Norden oder Nordwesten angegriffen. Das würde auf Iran oder Irak hindeuten. Im Irak haben sich schiitische Milizen unter iranischer Kontrolle längst etabliert. Sie kämpften gegen die Terrormiliz Islamischer Staat und gelten mit etwa 140 000 Kämpfern als Schattenarmee Irans. Am Montag telefonierte der irakische Premierminister Adil Abd al-Mahdi mit US-Außenminister Mike Pompeo. Er versicherte ihm, dass die Nutzung des irakischen Hoheitsgebiets für Angriffe auf "benachbarte, brüderliche oder befreundete Staaten" mit aller Macht verhindert werde, sagte Mahdi.

Teheran erteilt Treffen zwischen Rohani und Trump eine Absage

Auch Iran wies jede Beteiligung an dem Angriff vom Samstag zurück. Irans Außenminister Mohammad Dschawad Sarif griff die Aussage Pompeos auf, Iran stecke hinter dem Anschlag. Weil seine Politik des maximalen Drucks gescheitert sei, sei Pompeo nun auf "maximale Täuschung" umgestiegen, schrieb Sarif auf Twitter. Die USA und ihre "Kunden", gemeint ist Saudi-Arabien, steckten in Jemen fest. Iran nun dafür verantwortlich zu machen, werde die "Katastrophe" nicht beenden, schrieb er. Auch einem Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Irans Präsident Hassan Rohani am Rande der UN-Vollversammlung in New York Ende September erteilte Teheran eine Absage.

In Saudi-Arabien wird derweil noch über eine mysteriöse Andeutung der Huthis gerätselt. General Sare'e hatte in einem Video gesagt, die Operation sei mithilfe von "ehrenhaften und freien Menschen innerhalb des Königreichs" ausgeführt worden. Das dürfte in Riad Urängste wecken. Khurais und Abqaiq liegen im Osten des Landes. In den ölreichen Provinzen leben mehrheitlich Schiiten. Ihre Unzufriedenheit mit dem sunnitischen Königshaus ist groß. Sie fordern eine größere Beteiligung am Ölreichtum des Landes. Etwa 15 Prozent der saudi-arabischen Bevölkerung sind Schiiten. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Protesten und zu Hinrichtungen von schiitischen Oppositionellen. Einigen von ihnen warf Riad "Spionage für Iran" vor.

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