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Sarkozy und Hollande vor TV-Duell:Attacke bei exakt 20,5 Grad

Dramaturgischer Höhepunkt einer brutalen Präsidentschaftskampagne: Das TV-Duell gegen Hollande ist Sarkozys letzte Chance, den Vorsprung des Herausforderers vor der Stichwahl einzuholen. Doch selbst ein Punktsieg beim Duell dürfte den Präsidenten nicht mehr in Front bringen. Er muss auf einen K.-o.-Schlag setzen.

Bevor sich in den alten Zeiten Ritter, Offiziere und andere Ehrenmänner duellierten, handelten ihre Sekundanten die Bedingungen aus. Ort, Zeit, Wahl der Waffen, Regeln, Schiedsrichter - alles wurde genau festgelegt. Nicht anders geht es im modernen französischen Wahlkampf zu. Seit Wochen bereiten die Teams von Nicolas Sarkozy und François Hollande das TV-Duell vor, das sich die Spitzenkandidaten an diesem Mittwochabend vor mehr als 20 Millionen Zuschauern liefern werden. Es ist der dramaturgische Höhepunkt einer langen, harten und manchmal brutalen Präsidentschaftskampagne.

Am Dienstagvormittag kamen die Unterhändler des amtierenden Präsidenten und seines sozialistischen Herausforderers letztmals zusammen, um im ausgewählten Fernsehstudio die Details zu überprüfen. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren ist, soll der Saal betont nüchtern eingerichtet sein, mit einem Bild des Élysée-Palastes im Hintergrund. Ein 250 Zentimeter langer Glastisch wird die Kontrahenten trennen. Die Raumtemperatur muss exakt 20,5 Grad betragen.

Petitessen? Von wegen. François Mitterrand bestand einst darauf, der Studiotisch müsse die Breite seines Arbeitsplatzes im Élysée haben - er wollte sich in seinem Element fühlen. Nicolas Sarkozy, der zum Schwitzen neigt, forderte vor fünf Jahren eine Studiotemperatur von 19 Grad. Seine damalige Widersacherin Ségolène Royal wünschte es deutlich wärmer. Man einigte sich auf 20,5 Grad, und dabei soll es nun bleiben.

Trotz dieses moderaten Raumklimas dürfte es am Mittwoch hitzig zugehen. Die Franzosen erwarten eher einen Boxkampf als ein Florett-Gefecht. In den vergangenen Tagen hat Sarkozy in den Meinungsumfragen zur Stichwahl am kommenden Sonntag etwas aufgeholt. Die für ihn günstigste Erhebung sieht ihn aber immer noch sechs Prozent hinter Hollande. Selbst ein Punktsieg beim TV-Duell dürfte den Präsidenten nicht mehr in Front bringen. Er muss daher auf einen K.-o.-Schlag setzen. Dem Niveau der Debatte wird das kaum guttun.

Damit passt dieses Fernseh-Duell zu einem Wahlkampf, der von besonderer Hektik und allerlei Tiefschlägen gekennzeichnet war. Sarkozy konnte als erster Präsident der Fünften Republik nicht von einem Amtsbonus profitieren, was wohl an seinem Charakter wie an seiner schlechten Wirtschaftsbilanz lag. Er musste aufholen, attackieren, während sich Hollande damit begnügen konnte, seinen Vorsprung zu verteidigen.