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Sarkozy-Rivale Hollande:François, das Schreckgespenst

Sie nannten ihn Pudding: Frankreichs sozialistischer Präsidentschaftskandidat Hollande galt bis vor kurzem als zu weich. Heute macht er halb Europa Angst. Ist Monsieur Hollande wirklich so gefährlich?

Diese Metamorphose muss François Hollande erst mal einer nachmachen. Der Franzose hat sich vom Wackelpudding zum Schreckgespenst gewandelt, und das binnen Wochen. Bis vor kurzem wurde er als Pudding verspottet, so weich und kompromisslerisch wirkte er. Heute macht er halb Europa Angst.

Tritt gegen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy an: Sozialist Francois Hollande

Tritt gegen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy an: Sozialist François Hollande

(Foto: AP)

Reiche Franzosen packen angeblich die Geldkoffer, um im Fall seines Sieges bei der Präsidentschaftswahl zu flüchten. Die konservativen Regierungen in der EU schneiden den Sozialisten demonstrativ und setzen auf Amtsinhaber Nicolas Sarkozy. Besonders tut sich Angela Merkel hervor. Das wirft zwei Fragen auf: Ist Monsieur Hollande wirklich so gefährlich? Und ist es klug, ihn zu düpieren?

Natürlich wäre ein Sieg Sarkozys für die Kanzlerin bequemer. Der rechtsliberale Präsident entstammt ihrer politischen Familie, bekennt sich zur Spar- und Euro-Rettungspolitik, bringt Erfahrung und mittlerweile auch eine gewisse Verlässlichkeit mit. Man kennt sich. Hollande dagegen war im Ausland lang ein Unbekannter. Was Merkel nun über ihn erfährt, klingt beunruhigend. Der Sozialist verweigert sich einer Schuldenbremse und will die französische Rentenreform teilweise zurücknehmen. Er fordert Euro-Bonds und droht, den gerade unter 25 EU-Staaten mühsam vereinbarten Fiskalpakt neu aushandeln zu lassen. Als ob die Märkte nicht nervös genug wären.

Hollande mag in Berlin wie der Prototyp eines unerfahrenen, nassforschen und zugleich ideologisch verstaubten Sozialisten wirken. Ein solcher Mann wäre als Staatschef wohl tatsächlich gefährlich. Es ist jedoch ein Fehler, von Parolen des Kandidaten auf den möglichen Präsidenten zu schließen. Hollande ist in Wahrheit ein pragmatischer Sozialdemokrat, dem viel an Europa liegt. Warum wirkt er dann derzeit anders?

Weil das die Dynamik französischer Wahlkämpfe so will. Traditionell versuchen die Kandidaten der großen Parteien, vor dem ersten Wahlgang ihr Lager mit markigen Sprüchen hinter sich zu scharen, um Kandidaten kleinerer Parteien auszustechen. Genau das tun derzeit Sarkozy und Hollande. Vor dem zweiten Wahlgang werden sie dann ihre Rhetorik mäßigen, um die Wähler der Mitte zu umwerben. Einmal gewählt, dürfte Hollande rasch erkennen, dass Wirtschaftskrise, Schulden und europäische Bande keinen Spielraum für linke Utopien lassen.

Verprellen ist unklug

Allerdings bleibt ein Problem: Hollande braucht, um die Mehrheit zu erringen, ein sehr breites Bündnis. Es reicht vom Zentrum über Grüne und Sozialisten bis zu orthodoxen Kommunisten. Eine solche Koalition ist einst dem Italiener Romano Prodi zum Verhängnis geworden. Nur: Ein Präsident in Paris ist weitaus souveräner als ein Premier in Rom. Die Radikalen könnten Hollande im Élysée kaum erpressen. Einige linke Akzente aber wird er setzen, auch in der Euro-Rettungspolitik. Ein Präsident Hollande dürfte daher von seinen EU-Partnern verlangen, die Sparpolitik um eine Wachstumspolitik zu ergänzen.

Selbst wenn die Kanzlerin diesen Kandidaten als furchterregend empfindet, so ist es doch unklug, ihn zu verprellen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Franzosen Hollande zu ihrem Partner bestimmen. Dann wird sie mit ihm leben müssen. Natürlich braucht Merkel ihre Vorliebe für Sarkozy nicht zu verstecken. Sie muss Hollande auch keinen roten Teppich ausbreiten. Es würde reichen, ihm - wie im Wahlkampf 2007 der Sozialistin Ségolène Royal - einen Gesprächstermin zu gewähren. Falls die Kanzlerin dagegen allzu plump für Sarkozy wirbt, wird sie nur den gallischen Rebellengeist provozieren.

Hollande wiederum täte gut daran, das Ausland zu beruhigen und klarzustellen, Frankreich werde auch unter seiner Führung verantwortungsbewusst an der Euro-Rettung mitwirken. Er sollte der Kanzlerin und ihren Kollegen rasch beweisen, dass er weder ein Wackelpudding noch ein Schreckgespenst ist.