Sarajewo Serben wegen Srebrenica-Massakers verurteilt

Zum ersten Mal wurde in Sarajewo wegen Völkermordes verhandelt - am Ende dieses historischen Prozesses hat das bosnische Gericht sieben Männer zu hohen Haftstrafen verurteilt.

Das bosnische Kriegsverbrechertribunal in Sarajewo hat sieben bosnische Serben wegen ihrer Beteiligung am Massaker von Srebrenica im Juli 1995 zu Haftstrafen zwischen 38 und 42 Jahren verurteilt. Der Richter Hilmo Vucinic erklärte bei der Urteilsbegründung, die Angeklagten hätten die muslimischen Einwohner von Srebrenica vernichten wollen und "bewusst hunderte Muslime getötet".

Eine bosnische Muslimin trauert um die Opfer von Srebrenica.

(Foto: Foto: AFP)

Sechs Angeklagte seien direkt an der Tötung von mehr als tausend Muslimen an einem Tag in Kravica nahe Srebrenica beteiligt gewesen. Insgesamt waren zehn ehemalige Mitglieder einer Sondereinheit der bosnisch-serbischen Polizei und ein früherer Soldat angeklagt. Vier Angeklagte wurden freigesprochen.

Unter den Verurteilten ist auch der Kommandeur der damaligen Einheit der bosnisch-serbischen Sonderpolizei, Milos Stupar. Er wurde für schuldig befunden, die Tötungen in Srebrenica nicht verhindert und die Täter nicht bestraft zu haben.

Es war der erste Prozess wegen Völkermordes sowie wegen der in Srebrenica verübten Verbrechen vor dem Gericht in Sarajewo. Der Gerichtskammer gehörten Richter aus Bosnien, den Niederlanden und den Vereinigten Staaten an.

Karadzic-Überstellung nach Den Haag weiter verzögert

Sowohl nach Ansicht des Internationalen Gerichtshofs (IGH) als auch des Internationalen Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien, beide mit Sitz in Den Haag, erfüllt das Massaker an fast 8000 Muslimen in Srebrenica den Tatbestand des Völkermords. Es gilt als schlimmstes Kriegsverbrechen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Auslieferung von Karadzic an das UN-Kriegsverbrechertribunal verzögert sich unterdessen weiter. Die juristischen Voraussetzungen für eine Überstellung seien nicht erfüllt, sagte der Anwalt des früheren bosnischen Serbenführers in Belgrad. Das zuständige Gericht habe nicht über eine Beschwerde gegen die Auslieferung entschieden. Extremnationalistische Parteien riefen für den Abend zu Protesten gegen die Verhaftung und Auslieferung von Karadzic auf. In Belgrad werden zehntausende Teilnehmer erwartet.