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TV-Duell der demokratischen Kandidaten:Corona könnte sich auch auf den Verlauf der Vorwahlen auswirken

Biden überrascht zudem mit dem Versprechen, eine Frau zu seiner Vizepräsidentin zu machen. Sanders will sich noch nicht festlegen. Etwas umständlich erklärt er, dass auch er das wohl sehr wahrscheinlich tun werde.

Das alles ist ein klarer Versuch Bidens, den Sanders-Unterstützern ein Angebot zu machen. Ein Angebot, gemeinsam statt getrennt gegen Trump ins Feld zu ziehen. Ist Biden plötzlich ein progressiver Kandidat?

Biden kommt unter Druck, fängt an zu schlingern

Sanders kauft ihm das nicht ab. Er kramt Abstimmung um Abstimmung hervor, in der Biden aus seiner Perspektive in den vergangenen Jahrzehnten auf der falsche Seite der Geschichte gestanden habe. Während sich Sanders über Jahrzehnte treu geblieben sei. "Ich muss meine Positionen nicht überdenken", sagt der selbsterklärte demokratische Sozialist. "Das ist Führung. Den Mut haben, eine unpopuläre Entscheidung zu fällen."

Biden kommt unter Druck, fängt an zu schlingern, versucht auch Sanders ein paar alte Abstimmungen unter die Nase zu reiben. Dann aber fängt er sich. Er hält kurz inne. Und sagt dann das, was ein guter Präsident wohl sagen würde. Er möchte klarstellen, sollte Sanders der Nominierte sein, "werde ich ihn nicht nur unterstützen. Ich werde für ihn Wahlkampf machen! Und wenn ich gewinne, wäre es gut, wenn Bernie das genauso machen würde." Biden fügt hinzu: "Wir unterscheiden uns in Details. Aber nicht im Prinzip."

Sanders ist praktisch gezwungen zuzustimmen. Auch er werde Biden nach Kräften unterstützen, sollte er die Nominierung gewinnen. Er will sich aber nicht darauf einlassen, dass sie im Prinzip das Gleiche wollen. "Details machen den Unterscheid!", sagt Sanders.

Für alle, die gehofft hatten, dieser Abend könne der Anfang einer neuen wie nötigen Einigkeit der Demokraten werden, ein Abend, an dem beide Kandidaten sich gegenseitig Türen öffnen, sie werden enttäuscht. Biden sucht Versöhnung, Sanders Krawall.

Wieder geht Sanders zur Attacke über, hält Biden vor, sich von Milliardären kaufen zu lassen, die ihn in großer Zahl unterstützen. Für Sanders ist das eine Frage der Machtstrukturen in den USA. Es seien Milliardäre, die mit ihren Spenden in den USA die politische Agenda bestimmten. Biden hält dagegen: Vor dem Super Tuesday habe Sanders sechs, sieben Mal mehr Geld in der Wahlkampfkasse gehabt als er. "Ich hatte kein Geld. Und habe trotzdem gewonnen." Und warum? Weil die demokratischen Wähler glaubten, dass nur er Trump schlagen könne.

Am kommenden Dienstag wird sich zeigen, wer die besseren Argumente hat. Dann soll es in vier weiteren Bundesstaaten zu Vorwahlen kommen, darunter Florida, wo es 219 Delegiertenstimmen zu holen gibt. Mit Betonung auf "soll". Noch während Biden und Sanders reden, vermeldet die US-Seuchenbekämpfungsbehörde CDC, sie empfehle, Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen zu untersagen. Wie da noch Vorwahlen abgehalten werden sollen, erscheint zu diesem Zeitpunkt schleierhaft.

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© SZ.de/gal
U.S. Democratic presidential candidate Bernie Sanders speaks to members of the media outside of a polling station in Dearborn Heights, Michigan

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