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TV-Duell der demokratischen Kandidaten:Biden sucht Versöhnung, Sanders Krawall

US-Demokraten: Bernie Sanders und Joe Biden bei einem TV-Duell in Washington

Handschlag in Zeiten von Corona: Sanders und Biden gemeinsam auf der Bühne.

(Foto: REUTERS)
  • Die Corona-Krise hat die USA fest im Griff, auch das TV-Duell der demokratischen Präsidentschaftsbewerber Biden und Sanders wird davon bestimmt.
  • Der frühere Vizepräsident Biden will zeigen, dass er in der Lage wäre, diese Krise zu bewältigen. Sanders wirkt demgegenüber unflexibel und rechthaberisch.
  • Biden versucht klar, den Sanders-Unterstützern ein Angebot zu machen.
  • Ob die nächsten Vorwahlen am Dienstag wie geplant stattfinden werden, ist wegen des Coronavirus unsicher.

Joe Biden und Bernie Sanders, tja, was machen sie da gerade? Geben sie sich die Ellbogen? Reichen sie sich die Ellbogen? Elbow-Bump, sagen die US-Amerikaner. Und wohl kaum eine Geste am Anfang dieses ersten TV-Duells zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten der Demokraten macht so deutlich, dass die Zeiten andere geworden sind in den vergangenen drei Wochen.

Die Welt hat sich verändert. Dramatisch. Vor drei Wochen noch war Sanders der Frontrunner des halben Dutzends der Demokraten, die da noch Präsident werden wollten. Und Joe Biden schien kurz davor, wegen anhaltender Erfolglosigkeit seine Kampagne beenden zu müssen.

Aber an diesem Debatten-Abend liegt Joe Biden nach einer Reihe von erdrutschartigen Siegen bei den Vorwahlen der Demokraten vorne. Außer Sanders und der völlig chancenlosen Kongressabgeordneten Tulsi Gabbard aus Hawaii sind alle anderen Kandidaten ausgestiegen, fast alle von ihnen unterstützen jetzt Biden. Sanders, so sieht es aus, hat nur noch rechnerische Chancen, die Nominierung der Demokraten zu gewinnen.

Noch dramatischer sind selbstredend die Umstände. Die Coronavirus-Krise hat auch die USA fest im Griff. Beide Kandidaten haben alle Wahlkampfversammlungen abgesagt, ihre Kampagnen-Mitarbeiter arbeiten von zu Hause. Beide erklären hier, wer weiß wie oft am Tag die Hände zu waschen oder mit Desinfektionsmitteln einzureiben. Darum ja auch Ellbogen statt Handschlag. Ganz abgesehen davon, dass beide Kandidaten mit 77 (Biden) und 78 (Sanders) Jahren klar zur Risikogruppe dieser Pandemie gehören.

Das Coronoavirus ist auch der Grund, warum beide jetzt nur im Washingtoner Studio des Fernsehsenders CNN mit knapp zwei Meter Sicherheitsabstand nebeneinander stehen. Statt in einer Halle in Phoenix, Arizona, gefüllt mit Tausenden Menschen.

Corona ist auch an diesem Abend das Thema

Natürlich dominiert die Corona-Krise die Debatte. Was beiden die Möglichkeit gibt, sich als verantwortliche Führer zu präsentieren. Das ist allerdings nicht schwer angesichts des dilettantischen Krisenmanagements von US-Präsident Donald Trump, der mit seinen verstörenden und oft falschen Botschaften das amerikanische Volk verwirrt.

Mit den Gemeinsamkeiten ist es dann aber schnell vorbei. Sanders sagt, diese Krise sei ein gutes Argument, für seine Idee einer Krankenkasse für alle. Diese Pandemie offenbare "die unglaubliche Schwäche und Dysfunktionalität unseres derzeitigen Gesundheitssystems". Biden sieht das nicht so. Er will auch, dass alle US-Amerikaner versichert sind, dabei aber letztlich nur die Gesundheitsreformen der Obama-Ära ausbauen.

Biden hat einen ganz anderen Punkt: "Die Leute wollen Ergebnisse, keine Revolution." Seine Vorschläge seien umsetzbar, weil er die Mehrheiten dafür organisieren können. Es gehe darum den Menschen jetzt zu helfen, jetzt dafür zu sorgen, dass die Menschen in der Krise ihr Gehalt bekommen, dass sie medizinisch versorgt werden, dass sie in der mit der Virus-Krise einhergehenden ökonomischen Krise nicht untergehen.

Es ist vielleicht das erste Mal, dass Biden in diesem Wahlkampf nicht in der Vergangenheit verharrt. Er will zeigen, dass er in der Lage wäre, diese Krise zu bewältigen. Sanders dagegen nimmt diese Krise oft genug nur als Anlass, seine aus Sicht vieler US-Amerikaner linksrevolutionären Ideen zu promoten. Er wirkt unflexibel, rechthaberisch.

Biden dagegen hat in den vergangenen Tagen wichtige Elemente aus dem Programm von Elizabeth Warren übernommen. Die Senatorin aus Massachusetts ist vorvergangene Woche aus dem Rennen ausgeschieden. Politisch steht sie eher auf Sanders Seite. Sie will etwa eine weitgehend kostenlose College-Ausbildung und eine Reform des Privatinsolvenzrechts. Beides wird von Sanders unterstützt. Und jetzt eben auch von Biden.

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