Sambias weißer Präsident Guy Scott Eine Generation zu früh

Guy Scott kurz nach seiner Berufung zum sambischen Interimspräsidenten.

(Foto: AP)

Der Sambier Guy Scott ist der erste Weiße, der in Afrika auf demokratischem Wege Präsident wird. Lange behalten darf er sein Amt allerdings nicht.

Von Isabel Pfaff

Wenn ein Politiker aus Sambia eine weiße Eliteschule mit der Hitlerjugend vergleicht, erwartet man eigentlich nicht, dass er selbst weiß ist. Doch Guy Scott, Kind schottischer Einwanderer und neuer sambischer Übergangspräsident, ist es, und er ging selbst auf diese Schule im heutigen Simbabwe, auf der es ständig um "diese Theorien über die Minderwertigkeit von Schwarzen" gegangen sei. Der 70-Jährige pflegt das offene Wort. Südafrika, die große Wirtschaftsmacht im Süden des Kontinents, verglich er einmal mit den USA: "zu groß, zu plump". Er möge die Südafrikaner aus demselben Grund nicht, wie Lateinamerikaner die Amerikaner nicht mögen. Im Grunde seien sie "rückständig".

Seit Mittwoch ist Guy Scott der erste weiße Staatschef seit dem Ende der Apartheid im südlichen Afrika. Er sei der erste weiße Staatschef in Afrika überhaupt, der demokratisch legitimiert sei, war nach seiner Berufung von ihm selbst zu hören. Verfassungsgemäß übernimmt Scott, der bisher Vizepräsident war, die Geschäfte des verstorbenen Präsidenten Michael Sata, der am Dienstag in einer Londoner Klinik einer nicht genannten Krankheit erlag.

Scott wechselte öfters sein Parteibuch

Der studierte Ökonom ist kein Neuling in der sambischen Politik: 1991 zog Scott erstmals ins Parlament ein und wurde Landwirtschaftsminister. Sein Parteibuch wechselte er danach mehrmals. Zuletzt wurde er Mitglied von Satas Partei Patriotische Front (PF). 2011 gewann sie die Wahl. Der Machtwechsel von der langjährigen Regierungspartei MMD verlief fair und friedlich - umso erstaunter waren Beobachter, als der neue Präsident autoritäre Tendenzen entwickelte. Oppositionsanhänger landeten mehrfach vor Gericht. Zudem brachte die Regierung den Prozess um eine neue Verfassung ins Stocken - weil sie die Wiederwahl Satas und seiner Partei erschweren könnte, wie die Analysten des südafrikanischen Instituts für Sicherheitsstudien vermuten.

Angetreten war die PF mit dem Versprechen, die Bevölkerung Sambias endlich am großen Kupferreichtum des Landes teilhaben zu lassen. Sata kündigte an, die ausländischen Minenunternehmen stärker zu besteuern. Wahr gemacht hat er dies nur ansatzweise, doch Beobachter bescheinigen ihm immerhin einen Kurswechsel: weg von der investorenfreundlichen Linie seines Vorgängers, hin zu einer schärferen steuerlichen Überprüfung internationaler Unternehmen.

"Ich werde nicht kandidieren"

In 90 Tagen, so sieht es die Verfassung Sambias vor, werden Neuwahlen abgehalten. Interimspräsident Scott, auch das legt die Verfassung fest, darf aber nicht kandidieren: Er ist zwar Sambier, aber nicht in dritter Generation. Schon seine Eltern müssten in dem Land geboren worden sein, damit er sich aufstellen lassen könnte. Scott scheint das akzeptieren zu wollen: "Ich werde nicht kandidieren", sagte er dem britischen Telegraph, "denn verfassungsmäßig kann ich es nicht."

So bleibt dem 15-Millionen-Einwohner-Staat Sambia wohl der Aufruhr erspart, den ein weißer Präsident in einem Land auslösen würde, das jahrzehntelang von der Kolonialmacht Großbritannien unterdrückt wurde. Und doch gehören die europäisch-stämmigen Minderheiten zunehmend zur politischen Realität im südlichen Afrika. In Botswana ist der Präsident Ian Khama Sohn einer Britin; in Südafrika hat die wichtigste Oppositionspartei eine weiße Chefin.