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Samantha Power und Susan Rice im Obama-Team:Zwei Idealistinnen

Rice und Power - sie wurden schon "genocide chicks", oder Völkermord-Tussis genannt - denken jedenfalls in dieser Hinsicht ähnlich wie jene Neokonservativen, die einst Bushs außenpolitische Doktrin bestimmten: Amerika soll sich in seinem Blick auf die Welt nicht mehr nur an Interessen orientieren, sondern an Überzeugungen, und als Kraft für das Gute wirken.

Tatsächlich dürften sie, zusammen mit der damaligen Außenministerin Hillary Clinton, Obama im Jahr 2011 dazu gedrängt haben, in Libyen zu intervenieren. Vor allem gelang es Rice - sie war US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen -, den Sicherheitsrat auf ihre Seite zu ziehen: Er verhängte zum Schutz von Zivilisten eine Flugverbotszone über Libyen, die Europäer und Amerikaner durchsetzten. Aber selbst in diesem Fall sollte man den Einfluss von Rice und Power nicht überschätzen. Obama ging es damals nicht so sehr um Menschenrechte als um die Sorge, im Abseits zu stehen, während sich im Westen ein Konsens gegen den libyschen Diktator Gaddafi gebildet hatte.

Bei den UN dürfte sich Power (wie bisher schon Rice) künftig unterhaltsame Wortgefechte mit ihrem russischen Kollegen Witalij Tschurkin liefern, und auch die durchsetzungsstarke Rice dürfte mit ihrem Temperament das Weiße Haus beleben. Mit beiden Personalien gibt Obama seiner Regierung einen Schuss mehr Ideologie. Ob die beiden Frauen aber dafür sorgen können, dass Obama doch noch militärisch in Syrien eingreift, eine Flugverbotszone durchsetzt oder offen die Rebellen bewaffnet, ist fraglich. Der Präsident ist sehr überzeugt davon, dass er mit seiner Zurückhaltung richtig liegt.

Rice und Power haben einen Widerspruch bislang nicht einmal angedeutet. Es mag mit ihrer Loyalität und vielleicht auch mit ihren Ambitionen zu tun haben, vielleicht aber auch mit der Erkenntnis, dass Syrien 2013 nicht ohne weiteres mit Bosnien 1993 zu vergleichen ist. Der Konflikt heute ist größer, unübersichtlicher und militärisch viel schwerer in den Griff zu bekommen. Er ist auch weniger ein Völkermord als ein klassischer Bürgerkrieg zwischen verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen.

"Susan und Samantha wurden zweifellos geprägt von ihren Erfahrungen", sagte Tommy Vietor, ein früherer Sicherheitsexperte Obamas, der Washington Post. "Aber ihre Weltsicht lässt sich nicht unmittelbar auf Syrien anwenden". Jetzt, da sie an den einflussreichsten Stellen der Regierung sitzen, holt das Problem aus der Hölle die beiden Idealistinnen erst richtig ein.