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Samantha Power und Susan Rice im Obama-Team:Linke Falken im Anflug

Obama Announces Rice as New National Security Advisor and Power a

Obama hat Susan Rice (vorne rechts) und Samantha Power berufen. 

(Foto: dpa)

Zwei Frauen besetzen künftig Schlüsselpositionen in der US-Außenpolitik: Weil Susan Rice und Samantha Power Katastrophen wie in Bosnien notfalls mit Waffengewalt verhindern, nennen sie Kritiker "Völkermord-Tussis". An Obamas Zurückhaltung im Syrien-Konflikt wird sich trotzdem wenig ändern.

In den Neunzigerjahren haben bosnische Serben so viele Muslime wie möglich ermordet. Der Hass zwischen den Volksgruppen in Jugoslawien war damals für Fremde kaum zu fassen. Der amerikanische Außenminister Warren Christopher nannte diesen Hass "beinahe unglaublich, furchterregend, ein Problem aus der Hölle" - so schlimm also, dass scheinbar auch mächtige Länder wie die USA nichts daran ändern konnten.

Unter den Journalisten, die das Gemetzel aus der Nähe verfolgten, war eine amerikanische, aus Irland stammende Reporterin namens Samantha Power. Sie war Anfang zwanzig, und freilich nicht nur entsetzt über die Gewalt, sondern auch über das, was sie als moralisches Versagen ihrer eigenen Regierung sah. Präsident Bill Clinton hatte alles Mögliche angekündigt, sich aber herausgehalten, so lange es ging.

Power hat anschließend Jura studiert und in einem Buch untersucht, wie die USA auf Völkermord in aller Welt reagiert hatten. Ihre Erkenntnis lautete, dass der Kampf Amerikas gegen Genozid in der Arena der Innenpolitik verloren werde, "und dass er dort auch gewonnen wird, wenn er gewonnen werden kann". Ihr Buch hieß "A Problem from Hell". Sie hat dafür den Pulitzer-Preis gewonnen.

Nun ist es eine kuriose Wendung der Geschichte, dass Präsident Barack Obama soeben Samantha Power zu seiner Botschafterin bei den Vereinten Nationen in New York bestimmt hat. Sie wird sich dort besonders mit dem syrischen Bürgerkrieg beschäftigen müssen, in dem mehr als 80 000 Menschen gestorben sind, während Obama - wie Clinton damals in Bosnien - nicht das geringste Interesse hat, sich militärisch einzumischen. Er offenbart damit jene Risikoscheu, die Power bei Clinton immer kritisiert hat.

Militärische Interventionen im Namen der Menschenrechte

Zugleich hat Obama seine forsche Vertraute Susan Rice am Mittwoch zur Nationalen Sicherheitsberaterin befördert. Wie Power ist Rice geprägt worden durch Clintons Nicht-Interventionismus. Ihr bleibendes Erlebnis war der Genozid 1994 in Ruanda, den sie als junge Mitarbeiterin im Nationalen Sicherheitsrat hilflos beobachten musste. Sie soll sich geschworen haben, beim nächsten Gemetzel für beherztes Eingreifen einzutreten, selbst wenn sie sich dabei verbrennen sollte.

Power, 42, und Rice, 48, sind nicht die Einzigen auf der amerikanischen Linken, die im Namen der Menschenrechte militärische Intervention verlangen. Zu diesen "liberal hawks", oder linken Falken, gehören etliche Intellektuelle, Politikberater, Journalisten. Manche dieser Falken haben sich 2003 für die von Präsident George W. Bush angeordnete Invasion des Irak ausgesprochen und dies später bereut. Trotzdem finden etliche Linke Obamas Ansatz, in Syrien nichts zu tun, immer schwerer zu ertragen. Vali Nasr zum Beispiel von der Johns-Hopkins-Universität, Anne-Marie Slaughter von der New America Foundation oder Bill Keller, der ehemalige Chefredakteur der New York Times halten Nichtstun für die schlechteste Option. Keller schrieb neulich, in Syrien habe sich amerikanische Behutsamkeit längst in Fatalismus verwandelt.