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Profil:Helga Rabl-Stadler

Salzburger Festspiele - Rabl-Stadler

Ausfallen des Jubiläums? Für Helga Rabl-Stadler keine Option - trotz Corona-Krise.

(Foto: dpa)

Präsidentin der Salzburger Notfestspiele.

Von Harald Eggebrecht

Für "durchaus sportlich", also ein Risiko, hält der Chef der Bayerischen Staatskanzlei, Florian Herrmann, das Unterfangen, in diesem vom Virus gebeutelten Jahr, Salzburger Festspiele abhalten zu wollen.

Solche Vorbehalte fechten aber die Präsidentin der Festspiele, die sich 2020 zum hundertsten Mal jähren, nicht an. Vielmehr war Helga Rabl-Stadler trotz Corona-Krise absolut davon überzeugt, dass ein Ausfallen des Jubiläums nicht zur Debatte steht. "Ich hätte mich ob des Kleinmuts, nicht zu spielen, vor den Gründervätern geschämt. Auch vor der Generation nach 1945, da wurde drei Monate nach Kriegsende wieder gespielt", sagte sie kürzlich der Wiener Zeitung. Zudem wolle sie zusammen mit Intendant Markus Hinterhäuser "ein Zeichen der Kraft der Kunst in kraftlosen Zeiten" setzen, auch wenn es auf den August begrenzte und insgesamt reduzierte Festspiele sein werden mit ausgeklügeltem Hygiene-Konzept für Zuschauer, ständigen Tests für alle Mitwirkenden und einem dem andauernden Infektionsrisiko angepassten Programm.

Also gibt es zum 100. Geburtstag unter anderem die Wiener Philharmoniker, zwei Opern, etliche Solisten- und Kammerensembleauftritte und natürlich den "Jedermann" von Festspielgründungsvater Hugo von Hofmannsthal. In diesem Open Air vor der Fassade des Salzburger Doms inszenierten Stück geht es - nicht nur für Helga Rabl-Stadler - um ein in Corona-Zeiten besonders aktuelles Thema: Der Tod tritt plötzlich mitten ins Leben eines reichen, erfolgsverwöhnten Mannes. Das könnte das Publikum durchaus mehr zum Nachdenken anregen als in früheren Jahren.

Seit 1995 lenkt Rabl-Stadler das berühmteste aller Festivals mit Künstlern und Besuchern aus aller Welt. Dass es sich günstig auf die Wirtschaft in Mozarts und ihrer Geburtsstadt auswirkt, ist klar. Die Tochter des früheren langjährigen ORF-Generalintendanten Gerd Bacher ist Salzburgerin durch und durch: Sie wurde 1948 geboren, ging auf das Wirtschaftskundliche Realgymnasium und studierte Jura, Publizistik und Politikwissenschaften bis zur Promotion zum Dr. jur. In den Siebzigerjahren arbeitete sie für die Wiener Zeitungen Die Presse und Wochenpresse und war die erste weibliche Journalistin beim Kurier. In Salzburg engagierte sich die Mutter zweier Söhne von 1983 bis 2008 als Miteigentümerin und Gesellschafterin für das dortige Modehaus Resmann. Ihre politische Karriere brachte sie 1983 bis 1990 als ÖVP-Abgeordnete in den Nationalrat, 1985 bis 1988 agierte sie als erste weibliche Vizepräsidentin der Salzburger Wirtschaftskammer und wurde auch deren Präsidentin - bis sie 1995 alle Ämter zurückgab, um "Außenministerin der Festspiele" zu werden. So versteht sie ihre seit 1995 sechs Mal verlängerte Präsidentschaft.

Zähigkeit, Ausdauer, die Künste des Strippenziehens, Mut und ungetrübten Sinn für Repräsentation vereint Rabl-Stadler, vielfach und international geehrt bis hin zum "Ritter der Ehrenlegion", mit Bodenständigkeit und der Fähigkeit, auch unterschiedlichste Intendanten zur Wirkung kommen zu lassen. Ob der innovative Gerard Mortier, der zurückhaltende Peter Ruzicka, der impulsive Jürgen Flimm, der prachtliebende Alexander Pereira oder nun der grüblerische Markus Hinterhäuser - jeder konnte und kann sich auf die, der Ausdruck sei erlaubt, mit allen Salzach- und anderen Wassern gewaschene Präsidentin verlassen, wenn es ums Festspielrenommee geht. Auch als Sponsorenfängerin hat sie viel geleistet.

Mit den Jubiläumsfestspielen wollte sie sich vom Amt zurückziehen. Da es nur Notfestspiele werden können, will sie bis 2021 weitermachen und groß nachfeiern. Vorausgesetzt ihre kühne Hartnäckigkeit für 2020 wird nicht durch Corona bestraft. Sie weiß sehr wohl um die lauernde Gefahr trotz aller Vorsichtsmaßnahmen. "Ich bin optimistisch, aber es kann alles passieren."

© SZ vom 30.07.2020
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