Angriff auf Schriftsteller:Blinken kritisiert Iran nach Rushdie-Attentat

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Angriff auf Schriftsteller: "Das ist verachtenswert", sagt US-Außenminister Blinken über Freude in Iran für den Angriff auf Rushdie.

"Das ist verachtenswert", sagt US-Außenminister Blinken über Freude in Iran für den Angriff auf Rushdie.

(Foto: POOL/REUTERS)

Staatliche Einrichtungen hätten über Generationen zu Gewalt gegen den Autor aufgerufen. Unterdessen macht Teheran Rushdie selbst für den Angriff verantwortlich.

Nach dem Messerangriff auf Salman Rushdie hat US-Außenminister Antony Blinken die Standhaftigkeit des britisch-indischen Autors gewürdigt und Iran kritisiert. "Rushdie ist immer wieder für die universellen Rechte der Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und Pressefreiheit eingetreten", teilte Blinken in Washington mit. Doch "böse Kräfte" versuchten, diese Rechte durch Hassrede und Aufwiegelung zur Gewalt zu unterminieren.

Der 75-Jährige Rushdie wird seit Jahrzehnten von religiösen Fanatikern verfolgt. Wegen seines Werks "Die satanischen Verse" aus dem Jahr 1988 hatte der damalige iranische Revolutionsführer Ajatollah Chomeini dazu aufgerufen, Rushdie zu töten. Er warf ihm vor, den Islam, den Propheten und den Koran beleidigt zu haben. Am Freitag war Rushdie bei einer Veranstaltung in Chautauqua im Westen des US-Bundesstaats New York von einem Mann angegriffen worden und wird seitdem in einem Krankenhaus im angrenzenden Pennsylvania behandelt. Noch hat die Polizei kein Motiv bestätigt.

"Speziell staatliche iranische Einrichtungen haben über Generationen zu Gewalt gegen Rushdie aufgerufen, und staatliche Medien haben sich jüngst an dem Angriff auf sein Leben ergötzt. Das ist verachtenswert", betonte der US-Außenminister. Die USA und ihre Partner stellten sich solchen Bedrohungen entgegen. Rushdies eigene Stärke stähle dabei die Entschlossenheit der USA und zeige die Notwendigkeit, als internationale Gemeinschaft geschlossen gegen diejenigen vorzugehen, die allgemeine Rechte infrage stellten.

Das Internet-Portal Vice News berichtete am Sonntag unter Berufung auf Geheimdienstquellen aus Europa und dem Nahen Osten, der 24 Jahre alte Tatverdächtige habe in sozialen Medien Kontakt zu den iranischen Revolutionsgarden gehabt. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass Iran an der Organisation oder Durchführung des Angriffs beteiligt gewesen sei.

Rushdie geht es offenbar etwas besser

Der mutmaßliche Angreifer sitzt in Untersuchungshaft. Ihm werden laut Mitteilung der Polizei versuchter Mord zweiten Grades sowie Angriff mit einer tödlichen Waffe und der Absicht, eine Körperverletzung zu verursachen, vorgeworfen. Mord zweiten Grades ist ein eigenständiger Tatbestand im US-Rechtssystem zum Tod eines Menschen. Dafür können Angeklagte im Bundesstaat New York mit jahrelangen Haftstrafen belegt werden. Vor Gericht schwieg der mutmaßliche Täter und ließ sich von seinem Pflichtverteidiger für "nicht schuldig" erklären.

Rushdie geht es inzwischen offenbar wieder etwas besser und er wird nicht mehr künstlich beatmet. Sein Sohn Zafar Rushdie schrieb auf Twitter: "Trotz seiner schwerwiegenden und lebensverändernden Verletzungen bleibt sein üblicher kämpferischer und aufsässiger Sinn für Humor intakt." Sein Vater habe bereits einige Worte sprechen können.

Unterdessen hieß es aus Teheran, Rushdie sei nebst seinen Anhängern selbst für die Attacke verantwortlich. Meinungsfreiheit rechtfertige nicht Rushdies Beleidigungen von Religion in seinen Werken, sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Nasser Kanaani. Zum Angreifer von Rushdie habe er nur die Informationen, die den Medien zu entnehmen seien.

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