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Seite-Drei-Reportage:Reise durch Sachsen

´Glück auf" im Erzgebirge - Bergbautradition prägt Freiberg bis heute

Der Untermarkt in Freiberg. Die Stadt ist bekannt für den Bergbau.

(Foto: dpa-tmn)

An jedem Ort hier geht es um Chemnitz. Es gibt aber noch ganz andere Geschichten, die erzählt werden müssen. Jetzt, im Spätsommer des Missvergnügens.

Mit dem Beginn des Mittagsläutens hatte sich der Trauerzug in Bewegung gesetzt, und als die Glocke in der Dorfkirche zum Ende kam, war die Urne bereits, mit Blumen bestreut, einen Meter unter der Erde. Denn die Friedhöfe sind überschaubar im Erzgebirge, da ist der Weg von der Kapelle zum Grab nicht weit. Dafür geht der Blick über flache Mauern weit ins Land und ist insgesamt von großer Tröstlichkeit, jedenfalls für die Hinterbliebenen. Zumal die Verstorbene, betagt wie sie war, nirgendwo anders die letzte Ruhe finden wollte, und das Essen im Gasthof immer noch so gut und reichlich ist. Bei Soljanka, Forellen, Rouladen und Schnitzeln, letztere zum Teil mit Würzfleisch überbacken, wird nachher, wie es sich gehört, der Dahingeschiedenen gedacht und die Arbeit des Bestatters gewürdigt, der allerdings auch eine beeindruckende Erscheinung war mit seinem Zylinder, seiner goldenen Uhrenkette und seinem goldenen Gebiss. Als zum Nachtisch die Eisbecher mit Sahne aufgetragen werden, kreist das Gespräch längst um verjährte Affären und das Maß an Toleranz, das den Erzgebirglern seit jeher abverlangt worden sei, vor allem den Frauen: Wenn man bedenke, dass früher die Bauern hier nicht nur mit ihren Bäuerinnen Kinder hatten, sondern oft auch mit den Mägden. "Aber das war kein Problem, die wurden einfach mit untergebuttert."

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