bedeckt München 12°
vgwortpixel

Sachsen-Anhalt:Unbekannte stellen Galgen bei Flüchtlingsheim auf

Erst kürzlich trugen Pegida-Demonstranten einen Galgen durch Dresden. Nun haben Unbekannte eine Attrappe in der Nähe einer Flüchtlingsunterkunft in Sachsen-Anhalt errichtet.

Unbekannte haben in der Nähe einer Flüchtlingsunterkunft in Möckern in Sachsen-Anhalt eine Galgenattrappe aufgestellt. Der Galgen sei an einem Verkehrsschild befestigt gewesen und bereits am Sonntag entdeckt worden, teilte die Polizei in Magdeburg am Mittwoch mit. Polizeibeamte hätten die Attrappe entfernt. Es seien Ermittlungen eingeleitet worden, sagte der Sprecher.

In Dresden ermittelt die Polizei derweil weiterhin gegen Unbekannte, die am Montag vergangener Woche auf einer Kundgebung der islamfeindlichen Pegida-Bewegung einen selbstgebastelten Galgen durch die Stadt trugen. Auf die Attrappe hatten sie die Namen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Sigmar Gabriel geschrieben. Das Gewaltsymbol hat parteiübergreifend Entsetzen ausgelöst und wird als Zeichen dafür gewertet, dass die Anhänger der Pegida-Bewegung sich zunehmend radikalisieren.

Das Bundeskriminalamt warnt vor einem Anstieg der Gewalt

Diese Wahrnehmung scheint auch durch eine Einschätzung des Bundeskriminalamts gestützt zu werden. Laut Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR warnt auch das Bundeskriminalamt in einer Analyse vor einem Anstieg der Gewalt. Schon in den ersten drei Quartalen dieses Jahres gab es 461 Angriffe auf Asylunterkünfte, bei denen die Behörde einen rechten Hintergrund annimmt. Das sind mehr als doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2014.

Außerdem befürchtet das Bundeskriminalamt, dass künftig auch Betreiber von Unterkünften und Politiker ins "Zielspektrum entsprechend fremdenfeindlich motivierter Täterkreise" geraten könnten. Dies ergibt sich aus einer vertraulichen Lagebewertung, die wenige Tage vor dem Anschlag auf die inzwischen gewählte Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker entstand.

© SZ.de/dpa/jly/ewid
Zur SZ-Startseite