bedeckt München 12°
vgwortpixel

Sachsen-Anhalt:Schüler empören sich über Asyl-Text ihres Direktors

  • Nach einem Artikel des Vorsitzenden des Philologenverbands Sachsen-Anhalt über eine "Immigranten-Invasion" hält die öffentliche Empörung an.
  • Der Hauptverfasser ist Schulleiter, ehemalige Schüler schrieben ihm nun einen offenen Brief.
  • Der Autor hat sich entschuldigt, das zuständige Kultusministerium aber sieht noch Gesprächsbedarf.

Sie seien bestürzt, schreiben die Schüler

Die öffentliche Kritik an den Äußerungen des Philologenverbands Sachsen-Anhalt hält an. Der Landesvorsitzende Jürgen Mannke hatte einen Artikel in der Verbandszeitschrift veröffentlicht. Er warnt darin vor einer "Immigranten-Invasion" und möglichen sexuellen Übergriffen. Junge Mädchen müssten vor Sex gerade mit muslimischen Flüchtlingen geschützt werden. Mitunterzeichnet hatte den Artikel auch die stellvertretende Vorsitzende Iris Seltmann-Kuke.

Nun haben ehemalige Schüler des Domgymnasiums Merseburg einen offenen Brief an den Landesvorsitzenden Mannke geschrieben. Dort hatte der promovierte Deutsch- und Geschichtslehrer lange unterrichtet, inzwischen ist er Schulleiter an einem anderen Gymnasium.

"Mit großer Bestürzung" hätten sie von dem Artikel erfahren, schreiben die Ehemaligen. Im Unterricht hätten sie Mannke anders kennengelernt, etwa, wenn er im Fach Geschichte deutlich gemacht habe, "dass Migration als ein Grundbestandteil der Geschichte Europas und der Welt zu begreifen" sei. Dabei habe Mannke immer wieder auch seine eigene Biographie als Nachfahre der Hugenotten ins Spiel gebracht. "Umso überraschender und bedauerlicher ist es nun für uns, gerade von Ihnen einen solchen Artikel zu lesen." Empört sind die Ehemaligen auch, weil die Zeilen des Lehrers "dazu beitragen, das Bild eines intoleranten und rassistischen Sachsen-Anhalts zu vermitteln."

Am Montag hatte Mannke sich entschuldigt. Er habe niemals die Absicht gehabt, "Menschen anderer Religionen, Nationen und Kulturen zu diffamieren, Ängste zu schüren, nationalistische Klischees zu bedienen oder zu pauschalisieren", erklärte der Schulleiter auf der Webseite des Landesverbandes. "Die Wortwahl einiger Passagen sehe ich im Nachhinein als unglücklich und missverständlich gewählt."

Auch die Mitunterzeichnerin distanziert sich von dem Text

Die stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes, Iris Seltmann-Kuke, die den Artikel mit unterzeichnet hatte, drückte ebenfalls ihr Bedauern aus. Zugleich verwahrte sie sich gegen den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit. Den Eindruck, "es könne sich um einen Aufruf zu Fremdenhass oder Hetze gegen Flüchtlinge handeln, weise ich entschieden zurück und ich möchte mich ausdrücklich von fremdenfeindlichen Äußerungen distanzieren", erklärte sie.

Der Deutsche Philologenverband distanzierte sich von den umstrittenen Aussagen in dem Artikel. Diese seien "nicht berechtigt und nicht akzeptabel", sagte der Bundesvorsitzende Heinz-Peter Meidinger am Wochenende der Mitteldeutschen Zeitung. Auch Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) hatte Mannke und Seltmann-Kuke vorgeworfen, sie würden "Gerüchte verstärken" und "Halbwahrheiten verbreiten".

Ausgestanden ist die Sache aber noch nicht. Das Kultusministerium Sachsen-Anhalt hat angekündigt, mit Mannke sprechen zu wollen.