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Sachsen-Anhalt:Jalloh-Initiative gibt nicht auf

Gedenken an Oury Jalloh  in Dessau
(Foto: dpa)

Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh will vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen, um den Tod des aus Sierra Leone stammenden Flüchtlings aufzuklären. "Schritt für Schritt" wolle man "die Wahrheit ans Licht" bringen, sagte die Sprecherin der Initiative, Nadine Saeed, der Tageszeitung Neues Deutschland. Derzeit laufe eine Verfassungsbeschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens. "Wir gehen davon aus, dass über diese negativ entschieden wird. Dann wollen wir mit der Familie vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen", sagte Saeed. Zugleich sprach sich die Sprecherin der Initiative erneut für einen Untersuchungsausschuss in Sachsen-Anhalt zur Aufklärung des Falles aus. "Ein Untersuchungsausschuss kann, anders als ein Gerichtsprozess, viel breitere Aspekte behandeln und weitere Akteure befragen", begründete Saeed. Die Initiative hatte vor zwei Jahren zudem eine eigene "unabhängige Untersuchungskommission" gegründet. Der Asylbewerber Oury Jalloh war am 7. Januar 2005 wenige Stunden nach seiner Inhaftierung bei einem Brand in einer Dessauer Polizeizelle gestorben. Der Fall konnte bislang nicht restlos aufgeklärt werden. Nach offizieller Version soll sich der damals 36-Jährige im Keller des Dessauer Polizeireviers, an Händen und Füßen gefesselt, selbst angezündet haben. Brandgutachter, Mediziner und Kriminologen erklärten dagegen, dass dies nicht möglich sei. Am Donnerstag gedachten mehrere hundert Menschen, unter anderem in Berlin und Dessau-Roßlau mit Kundgebungen an den Tod von Oury Jalloh vor 16 Jahren.

© SZ vom 08.01.2021 / epd
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