Sachsen-Anhalt Tödlicher Streit auf dem Spielplatz

In Köthen ist ein 22-jähriger Mann nach einem Streit ums Leben gekommen. Zwei afghanische Asylbewerber wurden festgenommen. Noch ist der Ablauf des Geschehens unklar.

Von Tomas Avenarius

In der sachsen-anhaltinischen Stadt Köthen ist ein 22-jähriger Mann nach einem Streit zwischen Afghanen und Deutschen ums Leben gekommen. Zwei afghanische Asylbewerber seien festgenommen worden, teilten die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau und die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost gemeinsam mit. Dem Todesfall vom Samstagabend vorausgegangen sein soll ein Handgemenge oder eine Schlägerei zwischen den Männern, in dessen Folge ein Deutscher gestorben sei. Wie die Ermittler am Sonntagabend mitteilten, sei er an akutem Herzversagen gestorben. Dieses stehe nicht "im direkten kausalen Zusammenhang mit den erlittenen Verletzungen", so die Polizei mit Blick auf das vorläufige Obduktionsergebnis. Gegen einen 18-Jährigen werde wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt, gegen einen 20-Jährigen wegen des Anfangsverdachts der Körperverletzung mit Todesfolge.

Gegen beide wurden inzwischen Haftbefehle erlassen. Der Hergang des Vorfalls ist noch ungeklärt, es gibt sich widersprechende Berichte. Laut der Volksstimme hatten sich mehrere Afghanen auf einem Spielplatz gestritten, wer der Vater eines noch ungeborenen Kindes sei; die schwangere Frau, eine Deutsche, sei anwesend gewesen. Der 22-jährige Markus B. sei wegen des Lärms auf den Spielplatz gelaufen und habe zu schlichten versucht. Dabei sei er von den Afghanen offenbar zu Boden gestoßen und mehrfach gegen den Kopf getreten worden. Die zwei Afghanen seien geflohen und wurden später festgenommen, B. starb im Krankenhaus. Bestätigt ist diese Darstellung der Volksstimme bisher nicht. Nach dpa-Informationen gebe es bislang keine Hinweise auf schwerste Gewalteinwirkung. Berichte über angebliche Tritte gegen den Kopf seien laut Erkenntnissen der Ermittler falsch. Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) rief vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse in Chemnitz zur Besonnenheit auf. Am Sonntagabend zogen laut Polizei rund 2500 Menschen, viele davon aus dem rechtsradikalen Lager, zogen anfangs schweigend und ohne Transparente zu dem Spielplatz, dem Ort des tödlichen Geschehens. Unter ihnen waren Familien ebenso wie Neonazis. Nachdem es zunächst ruhig geblieben war, wurde die Stimmung zunehmend aggressiver, die Menge rief , "Auge um Auge", "Zahn um Zahn" und "Wir sind das Volk".

In den sozialen Medien erregte der Fall große Aufmerksamkeit. Immer wieder wurde der Vergleich mit dem Tod eines Deutsch-Kubaners vor zwei Wochen in Chemnitz gezogen: Der Mann war nach einem Streit mit arabischen Migranten erstochen worden, die Ermittlungen dauern an. Nach der Tat kam es zu Demonstrationen, an denen Chemnitzer Bürger gemeinsam mit Neonazis und Hooligans teilnahmen.

Nach dem Köthener Todesfall riefen Politiker und Kirchenvertreter zur Besonnenheit auf. Der Landrat des Kreises Anhalt-Bitterfeld, Uwe Schulze (CDU), sagte: "Wir gehen davon aus, dass der deutsche Rechtsstaat Recht walten lässt. Wir wissen aber noch nicht genau, was passiert ist." Die Bundesregierung müsse sich überlegen, wie sie die Migration gestalten wolle. Die Parteichefin der Linken, Katja Kipping, schrieb: "Möge die Besonnenheit stärker und wirksamer sein als die rassistische Instrumentalisierung."