Saarland Protest mit Attest

Eine Welle von Krankmeldungen legt die Berufsfeuerwehr von Saarbrücken lahm - und sie hat offenbar nichts mit der Grippe zu tun.

Von Susanne Höll

In Saarbrücken herrscht ein Notstand der besonderen Art. Die Berufsfeuerwehr der Stadt, in normalen Zeiten 200 Leute stark, ist nur noch sehr eingeschränkt einsatzfähig. Etwa 90 der Beamten sind aktuell krank geschrieben. Es handelt sich aber nicht um eine Massenepidemie, sondern offenbar um eine ungewöhnliche Protestaktion. Anlass ist die geplante Rückkehr des umstrittenen früheren Chefs der Berufsfeuerwehr, Josef Schun. Der war zwischenzeitlich von seinem Posten entbunden und hat, so jedenfalls behaupten Vertreter der kommunalen Beschäftigten und Gewerkschafter, das Vertrauen der Kollegen verloren. Und wohl auch das der Stadtpolitik.

Der Zwist um Schun währt seit Jahren, er konnte bislang weder in Gesprächen, Mediationen oder vor Gericht endgültig ausgeräumt werden. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) hatte ihn nach Klagen über seine Amtsführung ins Rathaus versetzt, zu Unrecht, wie Saarlands Verwaltungsgericht urteilte. Schun hätte schon Ende vergangener Woche auf seinen alten Posten zurückkommen dürfen. Als diese Nachricht publik wurde, begann die Krankheitswelle. Zwischenzeitlich füllen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr die Lücken. Für ein paar Tage kann man den Zustand überbrücken, nicht aber für längere Zeit.

Das saarländische Oberverwaltungsgericht räumte der Stadt Saarbrücken angesichts der dramatischen Personallage in Sachen Rückkehr Schuns eine kurze Frist bis zu diesem Dienstag ein. Bis dahin, so verlangten die Richter, müssten sich alle krank gemeldeten Beamten beim Amtsarzt vorstellen. Dieser Termin wird aber nicht eingehalten werden können. Von den vier Amtsärzten in Saarbrücken sind nur drei im Dienst, eine Doktorin ist selbst erkrankt. Eine Untersuchung dauert etwa 45 Minuten, mehr als acht Feuerwehrbeamte können von einem Mediziner pro Tag nicht begutachtet werden. Vor Ostern wird die Prüfung wohl nicht abgeschlossen sein. Was die Richter dazu sagen werden, mag niemand in Saarbrücken prophezeien.

Ebenso ungewiss ist die Frage, was aus Ex-Chef Schun wird, der auch in einer anderen juristischen Auseinandersetzung obsiegt hatte. Dessen Anwälte fordern seine Rehabilitierung. Die Stadt selbst wartet ab, was nun geschieht. "Wir können nicht sagen, wie es in den nächsten Tagen weitergeht. Wir sind gerade in einer kritischen und entscheidenden Phase", sagt Pressesprecher Thomas Blug.