Rußland Volker Beck zusammengeschlagen

Der Grünen-Politiker wurde auf einer Schwulen-Demo in Moskau von Rechtsextremen verletzt. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen die russische Polizei.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck ist auf einer Homosexuellen-Kundgebung in Moskau von Rechtextremen angegriffen und verletzt worden. Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen zog sich eine Platzwunde und einen Bluterguss am Auge zu, wie ein Sprecher Fraktion in Berlin mitteilte.

Er sei vorübergehend von der Polizei in Gewahrsam genommen worden. Beck warf der Polizei vor, die Demonstranten nicht geschützt und statt dessen den Rechtsextremen zugetrieben zu haben. Dutzende weitere Menschen wurden am Rande der nicht genehmigten Demonstration festgenommen, darunter rechtsextreme Nationalisten, die gegen die Schwulen-Aktivisten aufmarschiert waren.

Beck sagte Spiegel Online, er sei von einem Stein getroffen worden und habe einen Schlag ins Gesicht bekommen. Dabei habe er eine Platzwunde erlitten, die am Abend genäht worden sei. Es gehe ihm wieder gut. Die Moskauer Polizei habe "mit ihrer Strategie komplett versagt" und die Demonstranten "quasi direkt den Neonazis zugeschoben", fügte Beck demnach hinzu.

Bis 1993 stand Homosexualität unter Strafe

"Die Sicherheitskräfte haben uns nicht nur nicht geschützt, sondern sogar unseren Rückzug verhindert, so dass wir schutzlos ausgeliefert waren." Er sei anschließend von der Polizei festgenommen und eine Stunde lang ohne Begründung verhört worden. Erst die deutsche Botschaft habe dafür gesorgt, dass er wieder freigekommen sei. Beck hatte im Vorfeld der Kundgebung an einer Homosexuellen-Konferenz teilgenommen.

Grünen-Chefin Claudia Roth verurteilte den Übergriff. Sie erklärte weiter, es herrsche Erleichterung, dass Beck keine größeren Verletzungen davon getragen habe. Die Grünen teilten Becks Kritik an den Sicherheitskräften, hieß es. Sie forderten die Bundesregierung auf, Protest einzulegen. Auch die Fraktionschefs Renate Künast und Fritz Kuhn schlossen sich der Kritik an.

Homosexuelle sind in Russland immer wieder Opfer von Anfeindungen und Gewalt. Erst Anfang des Monats belagerten Rechtsextreme stundenlang einen Moskauer Club, in dem eine schwul-lesbische Party stattfand. Homosexualität stand in Russland bis 1993 unter Strafe und wurde bis 1999 als Geisteskrankheit eingestuft.