Krieg in Osteuropa:Russland greift die Ukraine an

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Nahe dem Flughafen von Mariupol in der Ostukraine stehen Militäranlagen in Flammen. (Foto: Carlos Barria/Reuters)

Seit dem frühen Donnerstagmorgen attackiert das russische Militär das Nachbarland. US-Präsident Joe Biden wirft Putin vor, vorsätzlich einen Krieg zu beginnen.

Von Jens Schneider

Die internationale Gemeinschaft reagiert mit Entsetzen auf den russischen Angriff auf die Ukraine. Bundeskanzler Olaf Scholz sprach am frühen Donnerstagmorgen von einem "eklatanten Bruch des Völkerrechts". Der russische Angriff sei "durch nichts zu rechtfertigen", erklärte er in Berlin. "Dies ist ein furchtbarer Tag für die Ukraine und ein dunkler Tag für Europa." Bundesaußenministerin Annalena Baerbock nannte den russischen Militäreinsatz einen Bruch "mit den elementarsten Regeln der internationalen Ordnung". Sie schrieb weiter: "Die Weltgemeinschaft wird Russland diesen Tag der Schande nicht vergessen", schrieb die Grünen-Politikerin am Donnerstag in einer ersten Reaktion auf Twitter. Deutschland werde gemeinsam mit Partnern reagieren. "Unsere ganze Solidarität gilt der Ukraine."

US-Präsident Joe Biden warf Wladimir Putin vor, vorsätzlich einen Krieg in Europa zu beginnen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte Russland auf, die Angriffe auf die Ukraine sofort einzustellen. Der britische Premierminister Boris Johnson zeigte sich "entsetzt über die schrecklichen Ereignisse in der Ukraine". Er habe mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij über die nächsten Schritte gesprochen, schreibt er auf Twitter. "Präsident Putin hat sich für den Weg des Blutvergießens und der Zerstörung entschieden."

Russlands Militär hatte am frühen Donnerstagmorgen auf Befehl von Präsident Putin den Krieg gegen die Ukraine begonnen. Der ukrainische Präsident Selenskij wirft dem russischen Präsidenten vor, er wolle die Ukraine zerstören. "Ich habe alle Staatschefs der Welt aufgerufen, alle möglichen Sanktionen zu verhängen, auch solche gegen Putin", erklärte er. Der ukrainische Präsident rief am Morgen das Kriegsrecht aus. Er forderte die Bevölkerung auf, soweit es geht zu Hause zu bleiben. In vielen Städten seien Explosionen zu hören. "Wir sind stark. Wir sind zu allem bereit. Wir werden siegen", sagte Selenskij in einer Ansprache.

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba sprach am Morgen von einer "großen Invasion" Russlands. "Friedliche ukrainische Städte werden attackiert. Das ist ein Angriffskrieg", teilte der Minister am Donnerstag bei Twitter mit.

In einer sehr unübersichtlichen Lage war am Morgen unklar, welche Ziele die russische Armee angriff. Es gab zudem widersprüchliche Angaben von ukrainischer und russischer Seite über das Geschehen in der Ukraine. So hieß es am Morgen aus Moskau aus dem Verteidigungsministerium, die russischen Streitkräfte hätten die ukrainischen Luftwaffenstützpunkte ausgeschaltet - und damit die Luftabwehr der ukrainischen Streitkräfte. So zitierte die Nachrichtenagentur Interfax das Ministerium. Unter Bezug auf das ukrainische Militär wurde berichtet, dass russische Jets über der der Ukraine abgeschossen wurden. Von russischer Seite wurde dies dementiert.

US-Präsident Joe Biden warf dem russischen Präsidenten Putin nach Bekanntwerden der Angriffe vor, "vorsätzlich" einen "Krieg" gegen die Ukraine zu beginnen. Russland alleine sei verantwortlich für die dadurch ausgelösten Todesfälle und das menschliche Leid, erklärte Biden. Er habe in einem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskij den "unprovozierten und ungerechtfertigten Angriff" durch Russland verurteilt, hieß es aus Washington. Die G 7 und die US-Verbündeten würden ernsthafte Sanktionen gegen Russland verhängen. Die USA würden weiterhin die Ukraine und die dortige Bevölkerung unterstützen.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg verurteilte den russischen Angriff auf die Ukraine auf das Schärfste. Der "rücksichtslose und unprovozierte" Angriff bringe "die Leben zahlloser Zivilisten" in Gefahr, erklärte Stoltenberg am Donnerstag. "Einmal mehr, trotz unserer wiederholten Warnungen und nimmermüden diplomatischen Bemühungen, hat Russland den Weg der Aggression gegen ein souveränes und unabhängiges Land gewählt", so Stoltenberg. Die Nato-Botschafter sollen im Laufe des Tages zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.

In der Nacht hat es bereits eine kurzfristig anberaumte Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates gegeben. Deutschland hat schwere Konsequenzen gegen Russland wegen des angekündigten Einmarsches in die Ukraine angekündigt. "Die russische Aggression wird politisch, wirtschaftlich und moralisch einen beispiellosen Preis haben", sagte die deutsche UN-Botschafterin Antje Leendertse in New York. Bei der Kriegsankündigung Russlands gegenüber der Ukraine handle es sich um eine militärische Eskalation, "wie wir sie in Europa seit Generationen nicht mehr erlebt haben", so Leendertse weiter. Es handle sich um einen "schamlosen Völkerrechtsbruch".

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