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Russland:Laut russischen Medien haben die Hacker Abgeordnete der Duma erpresst

Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, hat Schaltaj nun doch ein Gesicht bekommen. Allerdings eignen sich die Geheimdienstler weniger für eine Heldenrolle als Assange oder der in Moskau untergeschlupfte Edward Snowden. Denn mit einem selbstlosen Kampf für Informationsfreiheit lässt sich ihr Wirken nicht erklären. Mehrmals wurden Datensätze Prominenter versteigert. Auf diese Weise bekamen die Betroffenen eine letzte Chance, eine Veröffentlichung zu verhindern.

Russische Medien berichteten vergangenes Jahr, mehrere Abgeordnete der Staatsduma seien von Schaltaj erpresst worden: Entweder sie bezahlten, oder vertraulicher Schriftverkehr komme an die Öffentlichkeit. Seitdem Mitte Dezember ein vierter Beschuldigter festgenommen wurde, ist der Twitter-Account der Gruppe @b0ltai verstummt.

Rivalen in der eigenen Behörde

Zumindest Dokutschajew ist kein Unbekannter. Bevor der heute 32-Jährige seine Laufbahn zum Major des FSB einschlug, hatte er sich in Hacker-Kreisen mit Einbrüchen in IT-Strukturen der US-Regierung einen Namen gemacht. Unter Pseudonym schrieb er eine Kolumne in der Zeitschrift Hacker. Laut dem Nachrichten-Portal RBC soll er des Diebstahls von Kreditkarten-Daten überführt worden sein. Vor die Wahl gestellt, eine Lagerhaft zu verbüßen oder sein Talent dem Geheimdienst zur Verfügung zu stellen, habe er sich für Letzteres entschieden. Sollten die Vorwürfe stimmen, hätte ihn die kriminelle Energie auch in der neuen Funktion nicht verlassen.

Auf die Spur gekommen sind den mutmaßlichen Geheimnisverrätern möglicherweise Rivalen in der eigenen Behörde: Im FSB gibt es außer dem Zentrum für Informationssicherheit noch ein Zentrum zum Informationsschutz. Dessen Leiter soll laut Nowaja Gaseta dem Finanzinvestor Konstantin Malofejew nahestehen, der als Finanzier der Kämpfer im Donbass auf der Sanktionsliste der EU steht und in Diensten des Militärgeheimdienstes stehen soll. Schaltaj hatte E-Mails von Malofejew mit dem rechten Ideologen Alexander Dugin veröffentlicht. Die Nachricht über die Festnahme der FSB-Männer war zuerst auf einem nationalistischen Internet-Portal erschienen, das von Malofejew finanziert wird.

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