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Russland:Russisches Gericht spricht Angeklagte im Mordfall Nemzow schuldig

Urteil im Prozess zu Nemzow-Mord erwartet

Alle fünf Angeklagten wurden nun von einem Gericht in Moskau schuldig gesprochen. Die Hintermänner bleiben aber weiter im Dunklen.

(Foto: dpa)

Die fünf Tschetschenen sollen vor zwei Jahren den russischen Oppositionellen Boris Nemzow in Sichtweite des Kreml erschossen haben. Das Strafmaß ist noch nicht bekannt.

Mehr als zwei Jahre nach dem Mord an dem russischen Oppositionellen Boris Nemzow hat ein Moskauer Gericht fünf Angeklagte schuldig gesprochen. Nemzow, ehemaliger Vizeregierungschef und Kremlkritiker, war 2015 nachts auf einer Brücke in der Nähe des Kremls in Moskau erschossen worden.

Die fünf Angeklagten kommen alle aus Tschetschenien. Saur Dadajew soll laut Anklage in jener Nacht am 27. Februar 2015 um 23.31 Uhr auf der Großen Moskwa-Brücke hinter dem Kreml sechs Schüsse aus einer Makarow-Pistole auf Nemzow abgegeben haben. Vier trafen den Politiker tödlich.

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Der 1959 in Sotschi geborene Nemzow gehörte zu den bekanntesten Oppositionellen Russlands. In die Politik kam er in den Achtzigerjahren über die russische Umweltbewegung, die sich nach der Katastrophe von Tschernobyl formiert hatte. Anfang der Neunzigerjahre wurde er Gouverneur der Provinz Nischni Nowgorod, trieb dort marktwirtschaftliche Reformen voran und unterstützte den Kurs des damaligen Präsidenten Boris Jelzin. Schließlich stieg er sogar zum Vize-Premier Russlands auf und galt mit nicht einmal 40 Jahren als potenzieller Nachfolger des Präsidenten Boris Jelzin.

Nachdem jedoch Wladimir Putin 2000 das Präsidentenamt von Jelzin übernahm, wurde er schnell zu einer der führenden Figuren der Opposition. Schon früh warnte er vor dem autoritären Regierungsstil seines Konkurrenten, verlor schließlich sein Mandat in der Duma und unterstützte die Orangene Revolution in der Ukraine. Seine Ermordung rief international Empörung hervor. Am seinem ersten Todestag gingen in der russischen Hauptstadt Tausende Menschen auf die Straße, um an den toten Politiker zu erinnern.

Viele vermuten tschetschenische oder russische Sicherheitskreise hinter der Ermordung. Tatsächlich musste das Verfahren vor einem Militärgericht geführt werden, weil Angeklagte und Zeugen in den russischen Sicherheitsorganen arbeiten. Der Hauptverdächtige Dadajew war stellvertretender Kommandeur des Bataillons "Sewer", das formal dem Innenministerium unterstellt war und seit einer Reform im selben Jahr sogar zur russischen Nationalgarde gehörte.

Es ist allerdings bekannt, wie eng die Verbindungen tschetschenischer Einheiten innerhalb der russischen Armee zu Ramsan Kadyrow, dem Oberhaupt der Republik Tschetschenien sind. Tatsächlich lobte Kadyrow den Hauptangeklagten Dadajew eine Woche nach der Tat öffentlich als "großen Patrioten Russlands". Nur einen Tag nach dem Lob für Dadajew, der damals schon in Untersuchungshaft saß, wurde Kadyrow seinerseits von Präsident Wladimir Putin mit einem Ehrenorden für seine gewissenhafte Arbeit ausgezeichnet.

Schanna Nemzowa, die Tochter des ermordeten Politikers sagte daher "Ich mache Putin politisch für das Attentat verantwortlich."

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