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Putin als Krisenmanager:Feuerwehrmann in eigener Sache

Krisenmanagement auf russisch: Angesichts schlechter Umfragewerte steigt Wladimir Putin selbst in ein Löschflugzeug, um gegen die Flammen zu kämpfen. Eine "Blitzeinführung" in die Technik des Flugzeugs reicht dem hemdsärmeligen Regierungschef.

Ganz Russland will so schnell wie möglich die Flammen löschen, die auf 200.000 Hektar lodern. Regierungschef Wladimir Putin möchte vor allem die Kritik an seinem Krisenmanagement ersticken. Umso besser, wenn beides in einem Aufwasch geht.

Vladimir Putin

Wladimir Putin bastelt an seinem Ruf als Retter. Dass dabei auch einige Flammen gelöscht werden, ist ihm ein angenehmer Nebeneffekt.

(Foto: AP)

Am Dienstag präsentierte Putin sich im russischen Fernsehen als oberster Brandmeister der Nation: Hemdsärmeliger saß der Ministerpräsident in einem Löschflugzeug, das rund 200 Kilometer südöstlich von Moskau zwei Brandherde bekämpfen sollte.

Nach einer "Blitzeinführung" in die Technik des Flugzeugs steuerte Putin zielgenau den Abwurf der Wasserladung. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Wen mag es da noch wundern: Beide Feuer wurden gelöscht.

Putin hat Erfahrung mit Heldenposen. In losem Abstand bekommt die Öffentlichkeit Bilder zu sehen, die den ehemaligen Präsidenten und jetzigen Ministerpräsidenten als halbnackten Angler, als Reiter, Judoka, Motorradfan in Lederkluft oder tapferen Tigerbändiger zeigen und sein männliches Image unterstreichen sollen. Auch an Bord eines Jagdflugzeuges und eines U-Boots hat Putin sich schon ablichten lassen.

Seinen Einsatz als Feuerwehrmann hielt er wohl für nötig, weil das Vertrauen der Bevölkerung in die politische Führung angesichts der seit Wochen anhaltenden Waldbrände deutlich gesunken ist. Die Zustimmungsrate für Putin ist mit 61 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit vier Jahren. Beobachter gehen davon aus, dass Putin wegen der nächsten Präsidentenwahl an seinem Ruf als Retter bastelt - 2012 könnte er wieder für das höchste Amt kandidieren.

Nach den Löschflügen besuchte Putin ein Dorf, das Ende Juli bei einem Feuer schwer beschädigt wurde. Dass hier eine Gruppe empörter Frauen den prominenten Feuerlöscher beschimpfte, wurde im staatlichen Fernsehen nicht gezeigt.

Und schon am Tag nach seinem Löscheinsatz gefährdet die aktuelle Entwicklung Putins PR-Erfolg: Die Brände erreichen Gebiete, die von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl verseucht wurden. Die Regierung hatte bisher bestritten, dass es so weit kommen wird.

Wladimir Putin

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