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Russland:Die Wahlkommission ignoriert das Bezirksgericht

Sein Nachfolger Beglow wird nun für seine merkwürdigen PR-Auftritte verlacht. Als Petersburg im Schnee versank, griff der Gouverneur selbst zur Schaufel. Seine eingeschneiten Bürger ärgerten sich, dass ihm nichts Besseres einfiel. "Beglow hat viele Fehler gemacht", sagt Gelman. "Aber es gibt nur einen wirklichen Wähler, und der heißt Wladimir Putin."

Am selben Tag, an dem Beglow im Amt bestätigt werden soll, wählen die Sankt Petersburger ihre Vertreter in mehr als 100 Stadtbezirken. Auch dort testet man nun aus, wie viel Opposition möglich ist. Für den Heimatbezirk von Pawel Tschuprunow gilt: gar keine. Er tritt für die Partei Gerechtes Russland von Nadeschda Tichonowa an. Nicht, weil er deren Programm gut findet, sondern um sich die beinahe aussichtslose Sammlung Tausender Wählerunterschriften zu ersparen.

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Sein Bezirk heißt Tschornaja Retschka, schwarzer Fluss, dort sitzt der 26-Jährige im Café vor einem Becher grünen Tee. Neben seinem Stuhl steht der Rucksack mit allen Dokumenten für seine Kandidatur. Wenige Tage vor der Wahl hofft er immer noch, zugelassen zu werden.

Falsche Warteschlange vor der Wahlkommission

Sein langer Weg dorthin begann damit, dass die Wahlkommission für seinen Distrikt nicht zu finden war, nirgendwo Adresse oder Öffnungszeiten angegeben hatte. Als er dann vor der richtigen Tür stand, stieß er jeden Tag auf eine lange Schlange, oft mit denselben Gesichtern. Falsche Kandidaten, vermutet Tschuprunow, die den Weg versperren sollten. Einmal ging er schon um vier Uhr früh los, doch die Schlange war schon da. Er hat sich bei Gericht beschwert, wandte sich an die Medien. Schließlich nahm die Kommission seine Papiere entgegen. Tschuprunow zeigt die Bestätigung der Kommission dafür, was er alles abgeliefert hat. Doch nun heißt es, dass Unterlagen fehlten - trotz Quittung.

Tschuprunow ist 2011 zum Studium nach Petersburg gezogen, ist in der Jugendbewegung Wesna, "Frühling", die auch die Wahlen beobachten will. Er möchte in den Kommunalrat gewählt werden. Dort wird über den lokalen Haushalt entschieden, über Parks und Spielplätze. "Wenn ich euer Kandidat werde, will ich Videoaufnahmen unserer Sitzungen machen", steht auf seiner Visitenkarte. Er verspricht Transparenz. Dafür muss er es auf den lokalen Wahlzettel schaffen, bisher stünden dort nur Kandidaten von Einiges Russland, sagt er. Längst hat das Bezirksgericht entschieden, dass er registriert werden muss, doch die Wahlkommission ignoriert das.

Nicht in jedem Bezirk sieht es so schlecht aus. "Trotz des Drucks gibt es eine ordentliche Zahl unabhängiger Kandidaten", sagt Politikwissenschaftler Gelman. Bezirkswahlen bekommen selten viel Aufmerksamkeit. Doch die Unzufriedenheit mit dem Status quo, sagt er, lasse das Interesse der Menschen an Politik wachsen.

Bei der Gouverneurswahl will Pawel Tschuprunow für Nadeschda Tichonowa stimmen, weil sie sich der Opposition zumindest nicht in den Weg stelle. "Meiner Meinung nach sind das alles falsche Kandidaten", sagt er. Doch aus Protest zu Hause bleiben nützt nichts. Die Wahl ist gültig, egal wie niedrig die Beteiligung ausfällt.

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