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Russland:Mahnender Zeigefinger

UN Security Council meets at Russia's request to discuss the Syria airstrikes

Der russische Gesandte im UN-Sicherheitsrat, Vasily Nebenzya, gibt im Plenum seine Stimme ab.

(Foto: Hector Retamal/AFP)

Der Kreml verurteilt den Angriff auf die angeblichen Chemiewaffeneinrichtungen nur halbherzig und gibt sich als moralischer Sieger.

Der Kreml hatte die Amerikaner und ihre Verbündeten mit scharfen Drohungen vor einem Luftschlag gegen Assad gewarnt, aber hinterher kann Wladimir Putin, vereinfacht gesagt, mit dem Ergebnis eigentlich ganz zufrieden sein. Zunächst einmal ist nicht viel kaputt gegangen, es gab keine Toten, vor allem aber waren weder russische Soldaten noch russische Technik betroffen. Die Abstimmung zwischen den Kommandozentralen in Washington und Moskau hat offenbar funktioniert und das ist schließlich ein zentrales Merkmal, an dem Wladimir Putin den Status einer wiedererstarkten Weltmacht misst: Dass in der Welt nichts mehr passiert ohne Abstimmung mit Russland.

Noch wertvoller aber ist für den russischen Präsidenten, dass die Weltgemeinschaft seit Samstag nicht mehr nur über die Giftgas-Attacke redet, mit der sein Schützling Baschar al-Assad nach überwiegender Auffassung ein weiteres Mal ein schweres Kriegsverbrechen begangen hat. Im Fokus steht jetzt der US-geführte Angriff, der ohne Mandat der Vereinten Nationen gegen das Völkerrecht verstoßen hat. Die moralische Waagschale neigt sich ein Stück zur anderen Seite, und Putin kann sich damit begnügen, nüchtern darauf hinzuweisen: ein besonnener Staatsmann, der angesichts der Vergehen anderer mahnend den Zeigefinger hebt.

In diesem Ton war dann auch die Erklärung verfasst, die der Kreml nach dem Angriff auf seine Website stellte: Unter Umgehung des Sicherheitsrates, unter Verletzung der UN-Regeln und der Prinzipien des internationalen Rechts sei ein "Akt der Aggression gegen einen souveränen Staat vollzogen worden, der sich im Kampf gegen den Terrorismus in vorderster Linie befindet", heißt es darin. Mit einer ähnlichen Formulierung hatte Putin schon vor einem Jahr auf den ersten Raketenangriff Trumps auf einen Flughafen in Syrien reagiert. Während Russland Syrien in seinem Kampf gegen den Terrorismus unterstütze, vertieften die USA die humanitäre Katastrophe in Syrien und provozierten eine neue Flüchtlingswelle.

In Sondersendungen berichteten die russischen Medien von Jubelfeiern in Damaskus

Die Vorwürfe wiederholte der russische Gesandte auf der Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrates am Samstag. Trotzdem unterstützten am Ende nur drei von 15 Mitgliedsstaaten den von Russland eingebrachten Resolutionsentwurf. Aber scheitern nicht auch die westlichen Staaten regelmäßig mit ihren Anträgen?

In Sondersendungen berichteten die staatlichen Kanäle von Jubelfeiern in Damaskus und davon, dass selbst die alte Luftabwehrtechnik der Sowjetzeit, über die Assads Armee verfügt, ausreichte, um Raketen abzufangen, die Trump per Twitter als besonders "smart" gepriesen hatte. Dass der Angriff erfolgte, bevor die Chemiewaffeninspektoren ihre Arbeit aufnehmen konnten, schien Russland ins Recht zu setzen. Sollte ihr Bericht in einigen Wochen doch Assad die Schuld geben - die Vergeltung dafür wäre aus Sicht Russlands dann ja bereits erfolgt.