Russischer Kampfjet "Checkmate":Putins neuer Stolz

Checkmate, the new Sukhoi fifth-generation stealth fighter jet, is seen during an opening ceremony of the MAKS 2021 air show in Zhukovsky

Präsentation des russischen "Checkmate": Andere Staaten sollen bereits großes Interesse an dem Kampfflugzeug signalisiert haben.

(Foto: TATYANA MAKEYEVA/REUTERS)

Der russische Tarnkappenbomber "Checkmate" wurde "in Rekordzeit" entwickelt - und begeistert auch den Präsidenten. Aus unterschiedlichen Gründen.

Von Frank Nienhuysen

Wenn Wladimir Putin zur Maks kommt, muss es etwas zu sehen geben. Maks ist eine Messe. Eine Mischung aus gigantischem Schaufenster, Flugshow und Plattform der russischen Luft- und Raumfahrtindustrie auf dem Schukowskij-Flughafen am Rande Moskaus. Mit dem Fernglas schaute der Präsident in den Himmel zu den fliegenden Staffeln, in einer Halle inspizierte er ein neuartiges Flugzeug: Es soll Russlands Stolz demonstrieren - sowie Angst und Geld machen.

Checkmate, also schachmatt, heißt der neue Tarnkappenbomber, von dem Putin begeistert ist. Es gebe in Russland nichts Vergleichbares, sagte der Kremlchef mit Blick auf das Jagdflugzeug. Nach dem Test der neuen russischen Hyperschall-Rakete am Montag war die Präsentation des leichten Kampfjets für Russland der zweite militärtechnische Erfolgstag hintereinander.

Das Flugzeug der staatlichen Technologie-Holding Rostec und des Luftfahrtkonzerns OAK kann nach deren Angaben sechs Ziele gleichzeitig angreifen und dabei auch Drohnen auswerfen, sogar wenn es elektronisch gestört werde. In einem Interview mit Interfax sagte OAK-Generaldirektor Jurij Sljusar, dass Checkmate, ein Kampfjet mit lediglich einem Triebwerk, sowohl Ziele am Boden, im Meer als auch in der Luft zerstören könne, "inklusive ausländische Flugzeuge der fünften Generation". Sogar eine unbemannte Version ließe sich daraus machen. Checkmate sei bereits "zum Hit des laufenden Luftfahrtsalons geworden", sagte Sljusar.

Das liegt nun weniger daran, dass er von Putin persönlich begutachtet wurde, als am "großen Interesse" (Sljusar), das der Kampfjet bei ausländischen Delegationen erzeugt haben soll. Sljusar nannte keine Staaten, nur so viel: Es seien Länder aus dem Nahen Osten, Südamerika und Südostasien. Dort liegt auch Myanmar. Anfang Februar wurde in Myanmar die Führung um Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi von einem brutalen Militärregime weggeputscht, das seitdem mit Gewalt gegen Kritiker vorgeht. Am Rande der Moskauer Luftfahrtausstellung gab das russische Rüstungsexport-Unternehmen Rosoboronexport jetzt bekannt, dass es eng mit der Militärregierung in Myanmar zusammenarbeite und auch Rüstungsgüter liefere, Flugzeuge seien auch darunter. Ob Myanmar bereits Interesse am neuen Kampfjet Checkmate zeigte, wurde nicht gesagt.

Das präsentierte Militärflugzeug ist ein Prototyp, der zwar nach Herstellerangaben "in Rekordzeit" entwickelt wurde. Bis zur Marktreife wird es allerdings dauern. Erst von 2026 an soll der Kampfjet so weit sein, dass er in größeren Mengen angeboten wird. Die adressierte Kundschaft: nicht Russland, sondern vor allem das Ausland. Putin hat dem Export von Rüstungsgütern sehr hohe Priorität zugeschrieben. Nur die USA verkaufen weltweit mehr.

Das neue Flugzeug soll etwa 25 bis 30 Millionen US-Dollar kosten

Dabei soll Checkmate nun den westlichen Kampfjets Konkurrenz machen: dem Joint-Strike-Fighter-Programm der USA mit dem F-35, dem schwedischen Gripen und der französischen Rafale. Das kann er aber nur, wenn er günstiger ist, oder besser, oder beides zugleich. Russland findet selbstverständlich, dass er das ist. Zumindest, dass er weniger teuer ist als der F-35. Das wäre Checkmate, wenn die von Russland kolportierten 25 bis 30 Millionen US-Dollar stimmen und das Flugzeug damit als Low-Budget-Produkt auf den Markt käme.

Der britische Luftfahrtexperte Justin Bronk sagte allerdings, dass es noch ein weiter Weg sei bis zur Serienproduktion des russischen Kampfjets, weil das Land bisher trotz großer Fortschritte keine so reiche Erfahrung bei der Herstellung von Tarnkappenbombern habe. Er zweifelt auch an, dass die Stealth-Technik des Checkmate so effizient sei wie beim F-35. Bronk hält Indien, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Türkei für die wahrscheinlichsten Kunden des russischen Kampfjets. Die Türkei wollte eigentlich F-35 kaufen, wurde aber vom Verkauf gesperrt, weil sie sich ein russisches Flugabwehrsystem zulegte. Infrage käme nun vielleicht die konkurrierende Billigversion.

© SZ/plin
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